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Vor 45 Jahren...
Benjamin Stahl
Schwierige Gespräche

16.8.1972: Verhandlungen über Grundlagenvertrag gestartet Weitere 50 Treffen seien wohl nicht mehr erforderlich, hieß es nach der ersten offiziellen Verhandlungsrunde über den "Vertrag über die Grundlagen der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik". Viel mehr sickerte nach dem zweitägigen Treffen zwischen Egon Bahr (SPD) und Michael Kohl, das am 16. August 1972 in Ost-Berlin begonnen hatte, nicht durch. Die Staatssekretäre waren darauf bedacht, die Gespräche nicht durch öffentliche Äußerungen zu erschweren.

Vier Monate wurde verhandelt, oft waren die Fronten verhärtet: Im September erklärte etwa DDR-Unterhändler Kohl, "normale Beziehungen zwischen voneinander unabhängigen Staaten setzen den Austausch von Botschaftern voraus". Eine Absage an eine zentrale Bonner Bedingung und womöglich der Versuch, kurz vor der Bundestagswahl Druck auf die sozialliberale Koalition auszuüben. Doch schon zuvor hatte Bahr klargestellt, dass die Bundesrepublik in ihren Forderungen hart bleiben werde: "Wir haben 20 Jahre lang ohne Grundvertrag gelebt, wir werden auch weiter ohne ihn leben können." Am 21. Dezember 1972 wurde das Abkommen unterzeichnet. Mit vielen Kompromissen. Während Bonn den Alleinvertretungsanspruch aufgab, verpasste die DDR ihr Ziel nach völkerrechtlicher Anerkennung. Beide Staaten einigten sich auf "gutnachbarliche Beziehungen", Botschaften sollte es aber nicht geben. Stattdessen wurde die Einrichtung "Ständiger Vertretungen" vereinbart.Benjamin Stahl

Aus Politik und Zeitgeschichte

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