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Gastkommentare - Contra
Manfred Schäfers, "Frankurter Allgemeine Zeitung"
Zeitlos und gut

Weg mit dem Ehegatten-Splitting?

Was wird dem Ehegattensplitting nicht alles nachgesagt? Es sei aus der Zeit gefallen. Es erschwere die Arbeitsaufnahme. Es diskriminiere Frauen. Alles falsch. Es ist zeitlos, angemessen und damit gut. Steuerlich wird nachvollzogen, dass wir es mit einer Lebens- und Erwerbsgemeinschaft zu tun haben. Weil bei dem Splitting das Gesamteinkommen gedanklich auf die Eheleute verteilt wird, macht es keinen Unterschied, ob einer 60.000 Euro verdient und der andere nichts oder beide jeweils 30.000 Euro bekommen. So ist sichergestellt, dass sich der Staat nicht in die innere Angelegenheit der Familie einmischt. Es gibt keinen Grund, vor dem Finanzamt die funktionierende Ehe anders zu behandeln als die gescheiterte vor dem Familiengericht. Dann wird nämlich das in ihr Erwirtschaftete zu gleichen Teilen verteilt, bis hin zu den Rentenansprüchen.

Natürlich klettert die Steuerlast, wenn nicht nur einer arbeitet, sondern der zweite - etwa nach einer Babypause - wieder in den Beruf einsteigt. Wer deshalb das Splitting kritisiert, weil die höhere Abgabenlast des Zweitverdieners meist Frauen trifft, liegt daneben. Verantwortlich ist der Steuertarif. Auch bei Ledigen steigen mit dem Einkommen die Abzüge, wird somit Mehrarbeit bestraft. Außerdem wird niemand zum Splitting gezwungen. Eheleute können sich wie Singles besteuern lassen, dann kann aber die Gesamtlast höher ausfallen. So haben Ehepaare die Wahl und damit einen Vorteil. Aber genau das ist mit dem Schutz von Ehe und Familie im Grundgesetz gemeint. Seit einigen Jahren gibt es zusätzlich das Faktorverfahren, das es erlaubt, den Splittingvorteil auf die Eheleute zu verteilen. Herz, was willst Du mehr?

Aus Politik und Zeitgeschichte

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