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Aufgekehrt
Johanna Metz
Mayday, Britannia!

Fast 400 Jahre bestand das britische Empire, bevor es zerfiel. Winston Churchill entschied sich nach 1945 gegen das Weltreich und für Europa, die Kolonien wurden nach und nach in die Unabhängigkeit entlassen. Mangelnde Erfahrung in der Abwicklung von Imperien kann man den Briten also nicht unterstellen - und doch tun sie sich damit gerade schwer. So nebulös wie der Himmel über der britischen Hauptstadt bleibt auch ein Jahr nach dem Brexit-Referendum die Antwort auf die Frage, wie die Insulaner sich eigentlich der ungeliebten EU entledigen wollen. Premierministerin Theresa Maybe, äh May, hält es offenbar mit Hamlet: "Wahrhaft groß sein heißt, nicht ohne Grund sich regen."

Dabei hätte sie allen Grund, aufgeregt zu sein, statt abzuwarten und Tee zu trinken. Schließlich droht Rest-Britannien buchstäblich zu zerfallen. Der Amtssitz der Queen, der Buckingham Palast, ist so marode, dass sich zuletzt häufiger Teile der Fassade lösten und es ständig in die alten Gemäuer regnet. Vielleicht trägt die Regentin ja deshalb so ausladende Hüte?! Noch schlimmer ist es um Westminster, den Sitz des Parlaments, bestellt. Nicht selten, dass den Abgeordneten schwerer Putz um die Ohren fliegt oder sie über eine der unzähligen Ratten stolpern. Und als würde all das nicht reichen, verstummt ab sofort auch noch Big Ben, Londons berühmtestes Wahrzeichen für ganze vier Jahre wegen dringender Renovierungsarbeiten. Seit 157 Jahren läutet die riesige Glocke täglich zur vollen Stunde, nun hat "The Voice of Britain" ausgebimmelt. Der Rest ist Schweigen? Jedenfalls ist das einstige Empire, wenn Big Ben 2021 wieder regelmäßig ertönt, wohl nicht mehr Teil der EU. Mayday, Britannia! Johanna Metz

Aus Politik und Zeitgeschichte

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