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Vor 30 Jahren...
Benjamin Stahl
Hymne für den DDR-Staatschef

7.9.1987: Honecker in Bonn. "Es war mir zutiefst zuwider, dass ich mir die DDR-Hymne anhören musste und die DDR-Fahne mit Hammer und Zirkel aufgezogen wurde", schrieb Helmut Kohl (CDU) in seinen Memoiren. Erich Honecker schien am 7. September 1987 dagegen am Ziel: Hymne, Flagge, roter Teppich, militärische Ehren vor dem Kanzleramt: Zwar war der erste offizielle Besuch eines SED-Generalsekretärs in der Bundesrepublik lediglich als "Arbeitstreffen" deklariert. Doch die Symbolik der Visite mutete an, als hätte Bonn die DDR als gleichberechtigten Staat anerkannt. Während die DDR-Führung auf das Hissen beider Flaggen und das Spielen der Hymnen pochte, bestand Kanzler Kohl darauf, dass seine und Honeckers Tischreden live und unzensiert auch im DDR-Fernsehen übertragen wurden. Kohl betonte dabei nachdrücklich, dass die deutsche Frage offen sei und das Ziel der Bundesregierung - die deutsche Einheit - "nicht zur Disposition" stehe.

Die Einladung an den SED-Generalsekretär - damals noch ausgesprochen von Kanzler Helmut Schmidt (SPD) - stand seit Dezember 1981. Dass Honecker erst sechs Jahre später im Westen eintraf, lag auch am Veto Moskaus: Der Ost-West-Konflikt hatte sich angesichts von Raketenkrise und Nato-Doppelbeschluss verschärft. Inhaltlich ging es bei dem fünftägigen Besuch Honeckers 1987 um die alten Probleme zwischen den beiden Staaten: die Verbesserung der innerdeutschen Beziehungen, insbesondere beim Reise- und Besuchsverkehr, Familienzusammenführungen und Wirtschaftskontakte.Benjamin Stahl

Aus Politik und Zeitgeschichte

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