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Claus Peter Kosfeld
Schwarz und schädlich

Autoabgase können schwere Erkrankungen auslösen

Der Diesel ist in Verruf geraten. Die von Autoherstellern systematisch schöngerechneten Abgaswerte sowie Grenzwertüberschreitungen an Emissions-Messstellen für Feinstaub und Stickstoffoxide (NOx) in Großstädten bringen die Diesel schwer in Bedrängnis. Ausgerechnet in der Autobauerstadt Stuttgart könnte ab 2018 ein Fahrverbot für ältere Diesel-Fahrzeuge an hohen Belastungstagen verfügt werden, mit Ausnahmen etwa für den Lieferverkehr. Das Stuttgarter Verwaltungsgericht entschied Ende Juli, die Luftverschmutzung müsse notfalls mit Fahrverboten verringert werden. Auch in München, Hamburg und Köln werden solche Konsequenzen erwogen. Hersteller und Politik haben sich daraufhin beim "Diesel-Gipfel" Anfang August auf Software-Nachrüstungen verständigt, um die Schadstoffe zu verringern.

Wie das Umweltbundesamt (UBA) im April mitteilte, überschreiten Diesel-Autos die Euro-Grenzwerte für Stickstoffoxid noch viel stärker als angenommen. Sei man für das Jahr 2016 bislang von 575 mg NOx/km ausgegangen, liege die Diesel-Pkw-Flotte in Deutschland tatsächlich im Schnitt bei 767 mg NOx/km. Bei den Messungen wurden auch niedrige Außentemperaturen berücksichtigt, weil hohe NOx-Emissionen laut UBA vor allem an kalten Tagen auftreten. Am schmutzigsten waren den Angaben zufolge Euro-5-Diesel-Pkw mit 906 mg NOx/km im Schnitt. Das Ergebnis liegt rund 400 Prozent über dem zulässigen Grenzwert. Aber auch moderne Euro-6-Diesel-Pkw rissen den Grenzwert um fast das Sechsfache! Sie kamen im Mittel auf 507 mg NOx/km, der zulässige Grenzwert liegt bei 80.

UBA-Präsidentin Maria Krautzberger forderte daraufhin: "Wir brauchen mehr denn je eine schnelle Entlastung der vielen hunderttausend Menschen, die in den Innenstädten unter den Folgen der viel zu hohen Dieselabgase leiden." Zwar sind in Großstädten nicht alle Gebiete gleichmäßig betroffen, wie aus einer UBA-Messliste von 2016 hervorgeht. Jedoch werden an bestimmten Tangenten regelmäßig Spitzenwerte erreicht und Grenzwerte überschritten, so etwa am Stuttgarter Neckartor, in der Landshuter Allee in München oder in der Hamburger Habichtstraße.

Stickstoffdioxid (NO2) ist vor allem für Lungenkranke wie Asthmatiker und auch Kinder schädlich. Das Gas belastet die Lungen und reizt die Atemwege. Es kann zu chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen und wird auch für vorzeitige Todesfälle verantwortlich gemacht. Feinstaub entsteht nicht nur in Verbrennungsmotoren, sondern auch durch Abrieb beim Bremsen und an Reifen. Feinste Partikel gelangen bis in das Lungengewebe und den Blutkreislauf. Entzündungen der Atemwege, Thromboseneigung und Herzerkrankungen können die Folge sein. Dieselruß gilt zudem ohnehin als krebserregend.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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