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Vor 40 Jahren...
Benjamin Stahl
Verhüllter Reichstag

14.9.1977: Christo präsentiert sein Projekt in Bonn Sein aktuelles Projekt heißt "Mastaba" und soll in der Wüste von Abu Dhabi entstehen: eine riesige Skulptur aus Ölfässern. Die ersten Skizzen entstanden 1977. Dass es bis zur Verwirklichung seiner Ideen oft Jahre dauert, ist dem Künstler Christo nicht fremd. Auch sein wohl bekanntestes Projekt nahm langen Anlauf. Am 14. September 1977 stellte der damals 42-Jährige seinen "Wrapped Reichstag" im Rheinischen Landesmuseum Bonn vor. Doch bis das Parlamentsgebäude verhüllt war, sollte es bis 1995 dauern.

Die Idee stammte schon aus dem Jahr 1971. Ein Freund schickte dem Künstler damals eine Postkarte des Reichstags. Christo war von der Symbolik des Gebäudes in Mauernähe begeistert. Begeisterung entfachte er 1977 aber nicht bei allen. Während Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Schütz und Ex-Kanzler Willy Brandt (beide SPD) das Projekt unterstützten, lehnte Bundestagspräsident Karl Carstens (CDU) die Idee ab. Er fürchtete um den Symbolcharakter des Reichstags. "Stinksauer" sei er damals gewesen, erzählte Christo später. Auch als Carstens' Nachfolger Richard Stücklen (CSU) sich 1981 gegen die Verhüllung aussprach. Einige Jahre fertigte Christo keine Reichtstags-Skizzen mehr an - bis Willy Brandt den Künstler und dessen inzwischen verstorbene Frau Jeanne-Claude ermuntert habe, ihr Projekt nicht fallen zu lassen. In einem Interview mit der "Hannoverschen Allgemeinen" erklärte Christo kürzlich, für die Verwirklichung des "Wrapped Reichstag" habe erst die Mauer fallen müssen.Benjamin Stahl

Aus Politik und Zeitgeschichte

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