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Helmut Stoltenberg
KRIEGSCHRONIK 1991-1999

Der Zerfall Jugoslawiens vollzieht sich in den 1990er Jahren in mehreren Kriegen, die oft von "ethnischen Säuberungen", Massenvertreibungen und schweren Kriegsverbrechen geprägt sind.

Zehn-Tage-Krieg in Slowenien

1990 Bei einer Volksabstimmung votieren im Dezember in Slowenien knapp 90 Prozent für die Unabhängigkeit des Landes.

1991 Am 25. Juni erklärt Sloweniens Parlament die Unabhängigkeit des Landes. Ab dem 27. Juni kommt es zu Kampfhandlungen zwischen der slowenischen Territorialverteidigung und Polizisten Sloweniens auf der einen und der Jugoslawischen Volksarmee (JVA) auf der anderen Seite. Am 7. Juli wird ein Waffenstillstand vereinbart, in dem Slowenien einem dreimonatigen Verzicht auf die Unabhängigkeit zustimmt. Sie wird am 8. Oktober in Kraft gesetzt.

Der Kroatienkrieg 1991 bis 1995

1991 Bei einer vom serbischen Bevölkerungsteil Kroatiens boykottierten Volksabstimmung sprechen sich im Mai mehr als 90 Prozent für die Unabhängigkeit aus. Wie in Slowenien verkündet auch das kroatische Parlament am 25. Juni die Unabhängigkeit des Landes, woraufhin die Kämpfe um serbisch besiedelte Gebiete eskalierten. Im weiteren Jahresverlauf erobern serbische Kräfte bis zu ein Drittel Kroatiens. Im Dezember wird die "Serbische Republik Krajina" proklamiert, während Deutschland mit der Anerkennung Sloweniens und Kroatiens vorsprengt.

1992 Im Januar wird ein von der UNO vermittelter Waffenstillstand zwischen der serbisch dominierten JVA und Kroatien unterzeichnet. Trotz grundsätzlichen Waffenstillstandes kommt es in der Folgezeit zu weiteren Kampfhandlungen.

1995 Im Mai erobert die kroatische Armee die serbisch kontrollierten Gebiete in Westslawonien zurück. Im August nimmt sie die "Republik Krajina" ein. Mit den Abkommen von Erdut und Dayton im November findet der Kroatienkrieg sein Ende.

Der Krieg in Bosnien-Herzegowina 1992 bis 1995

1992 Im Januar wird von bosnischen Serben die "Republika Srpska" ausgerufen. Ende Februar/Anfang März votieren die muslimischen und kroatischen Bevölkerungsteile bei einem von den Serben boykottierten Referendum in Bosnien-Herzegowina für die Loslösung vom serbisch dominierten Rest-Jugoslawien; danach wird die Unabhängigkeit des Landes verkündet, gefolgt von Angriffen der serbischen Seite, die im April ihre fast vierjährige Belagerung Sarajevos beginnt. Im selben Monat schließt sich Serbien mit Montenegro zur Bundesrepublik Jugoslawien zusammen; im Mai zieht die JVA offiziell aus Bosnien-Herzegowina ab, wobei sie das Gros ihrer Ausrüstung den bosnischen Serben überlässt. Diese beherrschen seit dem Sommer mehr als zwei Drittel des Landes.

1993 Die schon im Vorjahr aufgeflammten Kämpfe zwischen kroatischen und bosniakischen Kräften eskalieren im Jahresverlauf; im November zerstört die kroatische Seite große Teile der Altstadt von Mostar.

1994 Im März verständigen sich Muslime und Kroaten auf eine bosniakisch-kroatische Föderation in Bosnien-Herzegowina.

1995 Im Juli fallen Tausende Muslime nach der serbischen Eroberung der UN-Schutzzone Srebrenica dem schlimmsten Massaker des Krieges zum Opfer. In den Folgemonaten erringen bosnische und kroatische Truppen bedeutende Geländegewinne. Im November wird der Krieg mit dem Abkommen von Dayton (USA) beendet; Bosnien-Herzegowina bleibt als Staat erhalten, bestehend aus einer bosniakisch-kroatischen Föderation und der Republika Srpska.

Der Kosovokrieg 1999

1996 Im zu Serbien gehörenden, mehrheitlich von Albanern bewohnten Kosovo verkündet die albanische Untergrundarmee UCK im November den bewaffneten Kampf gegen die Herrschaft Belgrads; in den Folgejahren eskaliert in der Region der gewaltsame Konflikt zwischen Kosovo-Albanern und Serbien.

1999 Ohne Mandat des UN-Sicherheitsrates führt die Nato mit deutscher Beteiligung von März bis Juni einen Luftkrieg gegen Serbien mit dem Ziel, Übergriffe und Vertreibungen im Kosovo zu beenden. Das Kosovo wird nach dem Krieg unter UN-Verwaltung gestellt.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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