Inhalt

Aufgekehrt
Hans Krump
Narrisches aus Österreich

Der Zinswahnsinn nimmt kein Ende. Jetzt gibt Österreich erstmals eine 100-jährige Staatsanleihe aus - für zwei Prozent Zinsen. Bis zu sechs Milliarden Euro will Wien so am Markt platzieren. In der Euro-Zone wagten sich bislang nur das hochverschuldete Belgien und der zeitweilige Krisenstaat Irland an solche Methusalem-Papiere heran, allerdings nicht öffentlich am Anleihemarkt. Jetzt also Österreich. Möglich macht das alles die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank.

Soll man die Hundertjährigen aus dem Alpenland in Zeiten von null Prozent Zinsen oder gar negativen Staatsanleihen kaufen? Ein Schnäppchen? Ganz, wie man es sieht - vor allem in Zeiten historischer Unbildung. In seiner erst 99-jährigen Geschichte seit 1918 war das kleine Alpenland immerhin zweimal pleite (Deutschland allerdings ebenso) - und im 19. Jahrhundert legte der Vorgänger, das Habsburgerreich, immerhin fünf satte Bankrotte hin, nur mal so nebenbei gesagt.

Man muss es noch einmal hinschreiben: Fällig wird das Wiener Papier 2117! Überlegen wir mal, was in 100 Jahren alles passieren kann, so wie von 1917 bis 2017. Allenfalls noch Enkel, eher Ur-Enkel oder Ur-Ur-Enkel werden von den Mickerzinsen aus Österreich noch etwas haben.

Aber Moment mal: In 100 Jahren sind wir gar nicht mehr da, wenn es nach dem britischen Astrophysiker Stephen Hawking geht: Denn spätestens dann muss die Menschheit der Erde entfliehen, wo es mit Asteroiden, Epidemien oder Bevölkerungsexplosion richtig ungemütlich geworden ist. Auch aus Österreich oder wie das Gebilde dann dort heißen mag. Dann werden die Erben der Anleihezeichner also gar keine 100-Jahre-Langläufer samt Zinsen aus Austria mehr haben. Ganz schön clever, die Ösis.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag