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Gastkommentare - Pro
Markus Decker, DuMont-Hauptstadtredaktion
Ein Lichtblick

Angst vor Wahlmanipulation übertrieben?

Es ist noch nicht so lange her, da war die Manipulation der Bundestagswahl bei den politisch Verantwortlichen in aller Munde. Dass Fake News und Social Bots den Urnengang 2017 dominieren, galt nicht nur als möglich, sondern als gewiss. Ähnliches galt für die Vermutung, die größte Gefahr im Hintergrund werde dabei von Russland ausgehen. Mittlerweile darf man sagen: Der Fall ist nicht eingetreten. Das sollte uns zu denken geben.

Offenbar hat sich die Angst, bei uns könnten Verhältnisse wie in den USA einkehren, verselbständigt. Tatsächlich sind wir von amerikanischen Verhältnissen noch ein großes Stück entfernt. Die in vielerlei Hinsicht notwendige Kritik am russischen Präsidenten Wladimir Putin und seinem autoritären Regime ist zuweilen in eine Art Dämonisierung übergegangen, die Russland nicht ganz gerecht wird und dem deutsch-russischen Verhältnis nicht gut tut. Fake News spielen jedenfalls ebenso wenig eine ausschlaggebende Rolle wie Social Bots. Vielleicht wird die Bedeutung der sozialen Netzwerke für die politische Meinungsbildung auch einfach deshalb überschätzt, weil Politiker und Journalisten sich ihrer für politische Zwecke überdurchschnittlich häufig bedienen.

Außerdem wurde nun publik, dass die Software zur Ermittlung der Wahlergebnisse fehler- und das heißt manipulationsanfällig sei. Das mag stimmen. Allerdings hat diese digitale Manipulationsanfälligkeit eine analoge Grenze. Denn gewählt wird nach wie vor auf Papier. Die Stimmzettel lassen sich per Hand nachzählen. Gut so.

Nein, davon, dass dunkle Mächte aus dem viralen Hintergrund über den Ausgang der Bundestagswahl entscheiden, kann wirklich keine Rede sein. Ein Lichtblick, immerhin.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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