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KANDIDATEN
Helmut Stoltenberg
Sie stellen sich zur Wahl

4.828 Bürger bewerben sich um ein Mandat. 34 Parteien hoffen auf die Zweitstimme

Sie sind", heißt es im Grundgesetz, "Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen": die Abgeordneten des Deutschen Bundestages. 4.828 Frauen und Männer stellen sich am kommenden Sonntag dem Votum der rund 61,5 Millionen Wahlberechtigten, um in das oberste deutsche Parlament einzuziehen. Das sind fast 400 Bewerber mehr als vor vier Jahren: Bei der Wahl 2013 waren lediglich 4.451 Kandidaten angetreten, um ein Bundestagsmandat zu erringen. Nur bei der Bundestagswahl 1998 hatten mehr Bürger als jetzt von ihrem passiven Wahlrecht Gebrauch gemacht und sich zur Wahl gestellt, nämlich 5.062. Der Anteil der Kandidatinnen liegt in diesem Jahr mit 29,0 Prozent klar über den 25,8 Prozent von 2013, aber noch unter dem bisher höchsten Frauenanteil aller gesamtdeutschen Bundestagswahlen, der 1994 mit 29,5 Prozent erreicht wurde.

520 kandidieren wieder 885 der aktuellen Bewerber kandidieren nach Angaben von Bundeswahlleiter Dieter Sarreither nur in einem Wahlkreis und 2.269 ausschließlich auf einer Landesliste. 1.674 bewerben sich sowohl in einem Wahlkreis als auch auf einer Landesliste um einen Sitz im nächsten Bundestag. Von den derzeit 630 Abgeordneten kandidieren 520 wieder für ein Mandat: 256 von der CDU/CSU-Fraktion, 160 Sozialdemokraten und je 52 Mitglieder der Linksfraktion und der Grünen-Fraktion.

Insgesamt stellen sich 42 Parteien zur Wahl, mehr als je zuvor seit der Wiedervereinigung; 16 davon beteiligen sich erstmals an einer Bundestagswahl. Während in 84 Wahlkreisen insgesamt 111 parteilose Einzelbewerber und Wählergruppen punkten wollen, treten acht Parteien nur mit Kreiswahlvorschlägen an; die restlichen 34 werben auf insgesamt 272 Landeslisten um die ausschlaggebenden Zweitstimmen der Wähler, die über das Kräfteverhältnis im neuen Bundestag entscheiden. Die größte Auswahl haben dabei die Berliner, die zwischen den Landeslisten von 24 Parteien wählen können; am wenigsten Landeslisten gibt es mit zwölf in Schleswig-Holstein.

Wie stets tritt die CDU in allen Bundesländern außer Bayern an, während ihre Schwesterpartei CSU nur im weiß-blauen Freistaat zur Wahl steht. Neun weitere Parteien - SPD, Die Linke, Grüne, FDP, AfD, Freie Wähler, MLPD, "Die Partei" und das "Bündnis Grundeinkommen" - bewerben sich in allen 16 Ländern mit Landeslisten. Nur in je einem Land präsentieren sich wie die CSU noch zehn weitere Parteien mit Listen. Fünf Parteien stellen sich ausschließlich mit Landeslisten, nicht aber mit Wahlkreisbewerbern zur Wahl. Lediglich auf Erststimmen hoffen dagegen insgesamt acht Parteien, die in verschiedenen Ländern mit einem oder mehreren Wahlkreisbewerbern vertreten sind. Direktkandidaten der CDU beziehungsweise der CSU sowie der SPD und der FDP finden sich in allen 299 Wahlkreisen, während für Die Linke und die Grünen jeweils 298 Bewerber direkt im Wahlkreis kandidieren.

Insgesamt beläuft sich die Zahl der Direktkandidaten unter Berücksichtigung aller Parteien, Wählergruppen und Einzelbewerbern auf 2.559. Von ihnen sind 640 oder 25,0 Prozent Frauen. Im Durchschnitt treten pro Wahlkreis neun Kandidaten an.

Die Zahl aller Landeslistenbewerber beträgt in diesem Jahr 3.943, von denen 1.249 und damit 31,7 Prozent Frauen sind. Von den im Bundestag vertretenen Parteien weisen die Grünen auch 2017 bei den Landeslistenkandidaten den höchsten Frauenanteil auf mit 51,5 Prozent vor der Partei Die Linke mit 51,0 Prozent. Bei der SPD sind 40,8 Prozent der Listenkandidaten Frauen, bei der CDU 39,8 Prozent und bei der CSU 27,0 Prozent. Zum Vergleich: Unter den nicht im Bundestag vertretenen Parteien kommt die FDP auf ihren Landeslisten auf einen Frauenanteil von 22,6 Prozent und die AfD auf 12,8 Prozent.

Etwas geringer liegt der Frauenanteil an den Bewerbern dieser Parteien, wenn man die Gesamtzahl aller ihrer Kandidaten betrachtet. Hier liegen wiederum die Grünen mit 46,9 Prozent an der Spitze, gefolgt von der SPD mit 40,7 Prozent. Die CDU kommt dabei auf 36,1 Prozent, Die Linke mit 35,8 Prozent und die CSU auf 22,2 Prozent. Bei der FDP machen die Frauen 21,5 Prozent aus und bei der AfD 12,1 Prozent.

Von diesen Parteien haben CDU und CSU gemeinsam mit 567 Kandidaten die meisten aufgestellt. gefolgt von der SPD mit 479. Für die AfD gehen 388 Bewerber ins Rennen, für die FDP 367, für die Grünen 360 und für Die Linke 355.

Durchschnittsalter 46,9 Jahre Der jüngste Bewerber ist gerade 18 Jahre alt geworden und kandidiert für "Die Partei" in einem Wahlkreis in Brandenburg, die älteste Kandidatin ist 89 und bewirbt sich für die "V-Partei³ - Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer" auf deren bayerischen Landesliste. Das Durchschnittsalter aller Bewerber liegt mit 46,9 Jahren leicht unter dem der beiden vorangegangenen Bundestagswahlen mit je 47,4 Jahren.

Mit 27,4 Prozent aller Bewerber stellt die Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen die meisten Kandidaten, gefolgt von den 40- bis 49-Jährigen, zu denen 22,6 Prozent der Bewerber zählen. 12,4 Prozent der Kandidaten sind jünger als 30 Jahre und 18,9 Prozent zwischen 30 bis 39 Jahre alt. 15,0 Prozent sind im Alter zwischen 60 bis 69 Jahren und 3,6 Prozent 70 Jahre und älter.

Die 50- bis 59-Jährigen sind auch bei CDU (mit 31,0 Prozent), SPD (36,1), Linke (27,0), Grünen (32,2) und AfD (33,2) die am stärksten vertretene Altersgruppe, während bei CSU und FDP die 40- bis 49-Jährigen mit 40 beziehungsweise 29,4 Prozent am häufigsten vertreten sind.

Gegliedert nach Berufen Unter den Berufsgruppen ist der Bereich "Unternehmensorganisation, Recht, Verwaltung" mit 1.757 Bewerbern oder 36,4 Prozent mit Abstand am stärksten repräsentiert vor "Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung" mit 683 Kandidaten oder 14,1 Prozent. Ferner verzeichnet die Statistik des Bundeswahlleiters unter den aktuellen Bundestagskandidaten unter anderem 348 "Schüler, Auszubildende, Studenten", 255 "Rentner, Pensionäre" sowie 43 "Hausfrauen, Arbeitssuchende".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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