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Wahlhilfen
Kristina Pezzei
Meinungsbildung per Mausklick

In 38 Fragen zur passenden Partei. Der Wahl-O-Mat ist beliebt wie nie zuvor

Dieselkraftstoff für Autos soll höher besteuert werden? Bafög soll unabhängig vom Einkommen der Eltern gezahlt werden? Und wie sieht es mit dem Schuldenschnitt für Griechenland aus? Viele Wähler haben zu diesen Themen zwar irgendwie eine Meinung, wissen aber nicht, welche Partei damit zu ihnen passt. Für diese Unentschlossenen und Neugierigen gibt es seit inzwischen 15 Jahren eine Online-Hilfe: den Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung. Mit wenigen Klicks - stimme zu, stimme nicht zu, verhalte mich neutral - können sich Nutzer bei insgesamt 38 Thesen positionieren und ihre Antworten mit nahezu allen zur Wahl stehenden Parteien abgleichen.

Vor einer Wahl mit auffallend vielen unentschlossenen Wahlberechtigten ist die Anwendung beliebt wie nie zuvor: In der ersten Woche nach der Freischaltung klickten sich mehr als 7,6 Millionen Menschen durch den Wahl-O-Mat. "Schon in den ersten 24 Stunden haben wir Rekordwerte verzeichnet", berichtet eine Sprecherin der Bundeszentrale. Deren Präsident Thomas Krüger bezeichnete den Test denn prompt als "demokratischen Volkssport".

Bis auf die Magdeburger Gartenpartei hatten alle der mit Landeslisten antretenden Parteien ihre Positionen übermittelt, ein Team aus 26 Jung- und Erstwählern entschied dann über die endgültigen Themen. Politikwissenschaftler betreuten den Prozess. Bei der vergangenen Bundestagswahl nahmen 13,3 Millionen Menschen das Angebot in Anspruch; durchschnittlich sechs Prozent derjenigen, die sonst nicht zur Wahl gegangen wären, ließen sich Umfragen zufolge durch die Nutzung dazu animieren.

Grundsätzlich indes sei das Politik-Quiz eher ein Instrument der Meinungsabfrage und weniger der Meinungsbildung, sagt der Politikwissenschaftler Jürgen W. Falter und fügt hinzu: "Der Wahl-o-Mat dient auch der Selbstvergewisserung." Als Hauptansprachegruppe sieht der Mainzer Professor politisch Interessierte, von denen so vielleicht der eine oder andere in seiner Wahlentscheidung unterstützt werde.

Falter gibt zu bedenken, dass in das tatsächliche Votum auch Kandidaten und ihr Image sowie langfristige Grundpositionen der Wähler einflössen. Außerdem fragt der Wahl-O-Mat nach Absichten - nicht nach der Leistung, die Parteien erbracht haben. Falter empfiehlt daher, das Instrument um den Konkurrenten "DeinWal.de" zu ergänzen. Die Macher hinter diesem Angebot gleichen in 42 Fragen nämlich das Abstimmungsverhalten der Parteien in der abgelaufenen Legislaturperiode mit den Überzeugungen der Nutzer ab.

Daneben sind inzwischen zahlreiche Nachahmer auf dem Markt, vom von der Immobilienwirtschaft ausgerufenen "immomat" und dem "Agrar-O-Mat" zum Abgleich agrarpolitischer Positionen oder dem "Steuer-O-Mat" für Fragen rund um Steuern.

Wem noch ein Zünglein an der Waage für die letztliche Entscheidung fehlt, kann sich natürlich auch aus ganz anderer Richtung inspirieren lassen: Der "Musik-o-Mat" gleicht die Lieblingslieder großer Parteien mit dem persönlichen Musikgeschmack ab. Der Streaming-Dienst Deezer hatte dazu die Parteizentralen von CDU, SPD, FDP, Grünen und Linken gebeten, eine Liste mit 17 Musiktiteln zu erstellen, von den Lieblingssongs der Parteivorsitzenden bis zu Favoriten für die Wahlparty. Ob es als inhaltlich ideale Vorbereitung zum Gang an die Wahlurne dient, mag jede und jeder selbst für sich entscheiden - spaßig ist es allemal.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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