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Gastkommentare - Contra
Rainer Hank
Hände weg

Verkehrsemissionen stärker besteuern?

D ie Forderung ist populär: "Besteuert doch die Kohlenstoffdioxid- und Stickoxid-Emissionen der Autos stärker." Nur so sei wirkungsvoll etwas gegen Klimawandel und Gesundheitsgefährdung im Verkehr zu machen. Unter Ökonomen hat die Idee viele Freunde. Für sie sind Umweltprobleme die Folge externer Kosten, die aus dem Unterschied von privater und kollektiver Rationalität resultieren - ein Marktversagen, das nur zu heilen ist, indem die Verursacher die Kosten der Verschmutzung tragen.

Dafür böte sich der Weg über eine entsprechende Besteuerung an, doch machen solche Lenkungssteuern große Probleme: Die Leute können nämlich trotz Steuern die Lust am Fahren nicht verlieren und den Kostenanstieg in Kauf nehmen. Das führt zwar zu höheren Staatseinnahmen, aber nicht zu umweltfreundlichem Fahrverhalten. Die Autofahrer haben das Gefühl, sie zahlen ja für ihr Laster, das durch die Steuer quasi legalisiert wird.

Das führt zurück zur Grundsatzfrage, ob wirklich ein Marktversagen vorliegt. Die Knappheit fossiler Brennstoffe hat erheblich dazu geführt, dass die Branche selbst an der Vermeidung externer Verschmutzungseffekte interessiert ist. So haben sich die Stickoxid-Emissionen insgesamt seit 1990 mehr als halbiert. Dass man das nicht sieht, liegt an den strengeren Abgasnormen. Zugleich führen höhere Energiepreise dazu, dass die Autobauer nach Alternativen (E-Auto) forschen. Dass dies nur langsam vorangeht, liegt nicht nur an der lahmen Industrie, sondern auch an den zurückhaltenden Autofahrern. Halb so schlimm: So lange die Autobatterien der E-Autos eine miese Ökobilanz vorweisen, ist der Diesel ohnehin überlegen. Fazit: Hände weg von einer stärkeren Emissionsbesteuerung.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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