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Auto
Claudia Heine
Ein fahrbarer Schrank

Sonja Berlinger benötigt es nicht nur zum Fahren

Während meines Studiums in München bin ich jahrelang gar nicht mit dem Auto gefahren. Das war einfach nicht nötig und hat mir lästige Parkplatzsuche erspart. Jetzt wohne ich wieder in Furth im Wald, meiner Heimatstadt in der Oberpfalz. 9.000 Menschen leben hier, aber öffentliche Verkehrsmittel gibt es, bis auf den Schulbus, nicht. Deshalb sind eigentlich alle auf ein Auto angewiesen und es war völlig selbstverständlich, dass jeder mit 18 Jahren den Führerschein macht und ein Auto bekommt. In der Stadt selber fahre ich aber meist mit dem Rad oder laufe zu Fuß. Alles andere außerhalb erledige ich mit dem Auto. Zwar gibt es einen Fernbahnhof und, da Furth im Wald ein Grenzort zur tschechischen Grenze ist, eine gute Verbindung nach Prag.

Viel zu unpraktisch Zur Arbeit nach Cham, in die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises, fahre ich aber mit dem Auto. Ich absolviere derzeit mein letztes Jahr als Referendarin für Sonderschulpädagogik an einer Schule in Cham. An drei bis vier Tagen pro Woche bin ich deshalb dort. Wenn ich mit dem Zug fahren würde, müsste ich vom Bahnhof in Cham noch einmal 35 Minuten zu Fuß laufen. Da ich jedoch immer sehr viel Unterrichtsmaterial mit in die Schule nehmen muss, wäre das eine zusätzliche Schlepperei. Viel zu unpraktisch. Also fahre ich die 17 Kilometer lieber mit dem Auto, das ich dann mit meinen ganzen Sachen vollstopfen kann.

Anstrengend finde ich das Autofahren nur, wenn ich zwei Mal wöchentlich ins Seminar fahren muss, wo ich den theoretischen Teil meiner Ausbildung absolviere. Grundsätzlich ist die Seminarschule in Regensburg, das sind 90 Kilometer. Manchmal müssen wir aber auch an andere Orte fahren und das ist ohne Auto absolut unmöglich. Gerade vor Regensburg ist die Infrastruktur total überlastet, ich muss also viel Zeit einplanen. Das ist schon manchmal nervig. Diese Entfernung würde ich auf Dauer jedenfalls nicht pendeln.

Mein Auto habe ich mir mit 19 gekauft. Damals fand ich es auch schön, wie es aussah. Aber heute gleicht es mehr einem fahrbaren Schrank und manchmal eher einer Müllhalde. Es ist ein reines Fortbewegungsmittel geworden und ich gehe nicht sonderlich liebevoll mit ihm um.

Aber generell ist es schon so, dass ein Auto bei uns auf dem Land ein Statussymbol ist. Es ist klar, dass jeder eines braucht. Viele definieren sich nach wie vor darüber, obwohl das in den vergangenen Jahren schon abgenommen hat. Zumindest bei den jüngeren Leuten. Im Freundeskreis meiner (älteren) Schwester waren alle mit 18 Jahren mit ihrer Ausbildung fertig und haben entsprechend Geld verdient. Heute machen viel mehr Jugendliche Abitur, verdienen also nichts. Und dann sagen sie: Ich geh eh weg zum Studieren, da brauche ich erstmal kein Auto. Ich denke also, es hat schon etwas mit dem Schulabschluss zu tun.

Alternative E-Auto Wenn es technisch möglich wäre, fände ich ein E-Auto eine gute Alternative. Dafür muss aber erstmal die nötige Infrastruktur her. Ich glaube, dass 70 Prozent der Leute, die ich kenne, dann ein E-Auto haben würden, weil kein Mensch hier mehr als 300 Kilometer am Stück fährt. Wirklich niemand. Beim Autonomen Fahren bin ich noch sehr skeptisch. Es ist zwar faszinierend, was technisch alles möglich ist. Aber wenn ich daran denke, was mich normale Computerabstürze schon für Nerven kosten, möchte ich mir eine vergleichbare technische Situation im Auto lieber nicht vorstellen. Ich glaube aber nicht, dass das so schnell Alltag wird.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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