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Ortstermin: Im Vorfeld der Bundesversammlung
Laura Heyer
Von Wahl-Helfern und Weg-Weisern

Ein leises Aufatmen wird zu hören sein am Mittag des 12. Februar. Wenn Wahlmänner und -frauen, Ehrengäste und Besucher im Paul-Löbe-Haus des Bundestags auf den neu gewählten Bundespräsidenten anstoßen, ist sie so gut wie geschafft, die 16. Bundesversammlung.

Damit eine solche Veranstaltung reibungslos über die Bühne gehen kann, bedarf es einer ausgeklügelten Logistik - so ausgeklügelt, dass am Ende alles ganz selbstverständlich wirkt. Ob Saaldiener, Techniker oder Veranstaltungsplaner: Sie alle sind unverzichtbare Zahnräder im Organisationsgetriebe der unzähligen Beteiligten, die die Bundesversammlung organisieren. "Wir beginnen schon ein Jahr vorher mit den ersten Planungen", sagt Thomas Pflüger, zuständig für die zentralen Assistenzdienste. In einer großen Koordinationsrunde sitzen über 70 Mitarbeiter immer wieder zusammen und haken die 73 Punkte des Ablaufplans ab.

Über zwei Dutzend Referate aus der Verwaltung des Bundestages sind mit der Organisation betraut. Während hinter den Kulissen das Protokoll die Blumengestecke bestellt, werden im Auftrag des Bundestagspräsidenten Einladungen an die Delegierten verschickt. Außerdem müssen Zimmer gebucht, Busse für den Fahrdienst organisiert und Ausweise ausgestellt werden. Die Mitarbeiter des Parlamentsdienstes sortieren tausende Blätter und stellen Informationsmaterial zusammen - schließlich soll sich keiner auf dem Weg von der Garderobe zum Platz verirren, alle sollen leicht zum Stand mit Kaffee und Brezeln finden.

Nach Monaten der Vorbereitung geht es am Sonntag der Wahl gar nicht so früh los. "Es ist wie im Theater - kurz vor der Aufführung muss alles stehen", sagt Thomas Pflüger. Die letzten Vorbereitungen werden deswegen schon seit Tagen erledigt. Von langer Hand geplant ist der Umbau des Plenarsaals. Dort sitzen normalerweise 630 Abgeordnete, während der Bundesversammlung sind es doppelt so viele. Die bekannten blauen Stühle, die im Boden des Plenarsaals verankert sind, kommen also raus, mobile und platzsparendere rein. Bis zu 25 Mitarbeiter helfen dabei mit. "Die gesamte Aktion dauert fünf Tage für den Auf- und Umbau", bestätigt ein Mitarbeiter aus dem Bereich Hochbau. "Das Ganze wieder rückgängig zu machen, dauert dann noch mal genauso lange", erzählt er.

Für das leibliche Wohl sorgen auch am Wahltag die Kantinen und Restaurants in den Verwaltungsgebäuden. Sie haben sogar am Tag zuvor schon geöffnet - für diejenigen, die die Räumlichkeiten vorbereiten. Für alle, die sich während der Wahl noch schnell informieren wollen, gibt es eine Institution aus Zeiten der Bonner Republik: der Zeitschriften- und Bücherstand der Parlamentsbuchhandlung verkauft Bücher von und über die Kandidaten. Sollte die Wahl länger dauern, hilft der Reise-Infopoint, Zugfahrten und Flüge umzubuchen. Länger warten müssten dann auch die Kinder in der Bundestag-Kita, die an diesem Sonntag extra geöffnet hat.

Wenn am Abend die 188 Stehtische geräumt und die letzten Gläser geleert sind im Paul-Löbe-Haus, wird es erst einmal wieder still. Aber nur bis zum nächsten Tag: Denn dann müssen die blauen Stühle wieder eingebaut werden - für die kommende Sitzungswoche.Laura Heyer

Aus Politik und Zeitgeschichte

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