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Gastkommentare - Pro
Markus Sievers, DuMont-Hauptstadtredaktion
Schlechte Zeichen

droht ein weltweiter Handelskrieg?

Er droht deutschen Autobauern mit Strafzöllen. Er bereitet den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko vor. Das transpazifische Handelsabkommen TPP kündigt er auf. Der neue US-Präsident Donald Trump tut alles dafür, die Welt zu verschrecken und den Protektionismus voranzutreiben. Wer das nicht ernst nimmt, begeht einen schweren Fehler. Wer jetzt noch beschwichtigt, übersieht auf fährlässige Weise, dass hier ein Überzeugungstäter wütet und handelt. Schon vor Jahrzehnten polterte der Immobilienunternehmer Trump gegen freien Handel und forderte Strafzölle für ausländische Firmen.

Richtig ist: Die alte Welthandelsordnung war schon vor Trump erschüttert. Seit Mitte der 1990er Jahre gelang es nicht, mit einer globalen Vereinbarung Märkte zu öffnen. Das aber macht den Kurswechsel in Washington nicht weniger brisant - im Gegenteil. Trump hämmert mit der enormen Macht seines Amtes auf eine Welthandelsordnung ein, die bereits angeschlagen ist. Dieser US-Präsident könnte dafür sorgen, dass aus einem schwierigen, aber einigermaßen stabilen Nebeneinander ein gefährliches Gegeneinander wird.

Besonders seine Ansage, der starke Dollar "töte" die US-Wirtschaft, lässt Schlimmes befürchten. Selbstverständlich schadet die Dollar-Aufwertung der heimischen Industrie und damit den Arbeitern, als deren Retter er sich ausgibt. Allerdings hat Trump den Höhenflug der US-Währung mit der Ankündigung eines fehlplatzierten schuldenfinanzierten Konjunkturprogramms selbst provoziert. Wenn er im Schock über das eigene Wirken eine künstliche Gegenbewegung, eine manipulierte Abwertung, durchdrücken möchte, provoziert er endgültig Gegenreaktionen, die leicht in einen Wirtschaftskrieg führen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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