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Aschot Manutscharjan
Kurz Notiert

25 Jahre nach dem Ende des Ost-West-Konflikts hat Carlo Masala eine bemerkenswerte Analyse über die neue "Welt(un)ordnung" vorgelegt. Als Ursache für die Krise nennt benennt der Professor für Internationale Politik an der Bundeswehr-Universität in München, die Sicherheitspolitik der Neokonservativen und Liberalen in den USA, die "den Einsatz militärischer Machtmittel als legitimes Instrument ansahen, um ihre globale Phantasien zu realisieren". Die Folge seien regionale Krisen, Konflikte und Kriege gewesen.

Masala erteilt der interventionistischen Politik der letzten Jahrzehnte eine klare Absage. Alle Versuche, die westliche Sicherheitspolitik allein an moralischen Werten auszurichten oder die Welt in Gut und Böse einzuteilen, seien gescheitert. Im Ergebnis habe dies nur "neues Chaos" hervorgerufen. Wenn es um die Alternative Frieden oder Krieg geht, ist Masala Stabilität wichtiger als Moral und Demokratie. Der Westen müsse sich an die neue Weltunordnung gewöhnen und einen realistischen Politikansatz verfolgen, argumentiert Masala in Übereinstimmung mit dem früheren US-Außenminister Henry Kissinger. Auch wenn den demokratischen Gesellschaften "bestimmte Potentaten" nicht gefielen, könnten sie es sich nicht aussuchen, wer in anderen Ländern herrscht. Kluge Politiker müssten auch mit Diktatoren auskommen können.

Die Argumentation Masalas erinnert stark an die Argumentation der Sicherheitsexperten des Kremls. Auch sie vertreten ein allein an Real- und Machtpolitik ausgerichtetes Weltbild, wie man in Putins Reden im Valdaj-Forum 2014 bis 2016 erleben konnte. Der Präsident behauptete, der Westen mit den USA an der Spitze würde die Welt ins Chaos stürzen, nur um eine neue Weltordnung durchzusetzen.

Folgt man Masalas Argumentation eins zu eins, dann handelt es sich bei der Krim-Annexion im Jahr 2014 letztlich um eine Reaktion des Kremls auf die "Ordnungsversuche seitens der USA" im unmittelbaren Einflussbereich Russlands.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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