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KULTUR
Alexander Weinlein
Mahnung und Ausdruck der Trauer

Fachgespräch zum Mahnmal für Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft

In Berlin soll an zentraler Stelle ein Mahnmal für die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft errichtet werden. Diesen Beschluss hatte der Bundestag bereits im Oktober 2015 anlässlich des 25. Jahrestag der Wiedervereinigung auf Antrag der Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD gefasst. Laut des verabschiedeten Antrags soll das Gedenkstättenkonzept des Bundes in diesem Sinne weiterentwickelt und noch in dieser Legislaturperiode eine konkrete Initiative des Parlaments für ein solches Mahnmal auf den Weg gebracht werden.

Im Rahmen eines Fachgesprächs des Kulturausschusses mit vier Sachverständigen bekräftigten in der vergangenen Woche nun alle Fraktionen noch einmal diesen Beschluss und diskutierten Zielsetzung und Modalitäten für die Errichtung eines solchen Mahnmals.

Standort Stephan Hilsberg (SPD), ehemals Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbauministerium (2000-2002) und Mitglied in der Initiative Mahnmal der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft, plädierte mit Nachdruck für die Errichtung des Mahnmals. Dieses solle der Trauer der Opfer über das erlittene Unrecht in der sowjetischen Besatzungszone nach dem Zweiten Weltkrieg und in der DDR Ausdruck verleihen und der Gesellschaft zugleich Mahnung vor einem erneuten Abgleiten in ein totalitäres System sein. Errichtet werden sollte es in Berlin-Mitte, dem ehemaligen Machtzentrum der kommunistischen Diktatur auf deutschem Boden, argumentierte Hilsberg. Für einen zentralen Standort in Berlin sprachen sich auch die Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Anna Kaminsky, der Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Uwe Neumärker, und die Historikerin Silke Satjukow von der Universität Magdeburg aus. Neumärker und Satjukow plädierten zudem dafür, das Mahnmal mit einem Informationszentrum ähnlich wie beim Holocaust-Mahnmal zu verbinden.

Silke Satjukow mahnte, dass die kommunistische Diktatur aber auch in ihren historischen Kontext gestellt werden müsse. So seien in den sowjetischen Lagern nach dem Zweiten Weltkrieg eben auch viele Funktionäre der nationalsozialistischen Diktatur inhaftiert gewesen. Über diese Problematik müsse noch eine intensive Diskussion geführt werden.

Hilsberg sprach sich dagegen aus, einzelne Opfergruppen am Mahnmal zu benennen. Anna Kaminsky verwies darauf, dass an den bereits bestehenden Gedenkstätten und authentischen Orten zwar bereits verschiedenen Opfergruppen gedacht werde. Ein zentrales Mahnmal könne aber zugleich bestehende Leerstellen in der Erinnerung an die Opfer schließen.

Wettbewerb Unterschiedliche Positionen vertraten die Sachverständigen auch in der Frage, wie ein Wettbewerb zur Findung eines geeigneten Entwurfs für das Mahnmal gestaltet werden soll. Während sich Hilsberg und Kaminsky für einen möglichst offenen Wettbewerb aussprachen, warnte Neumärker mit Verweis aus die Erfahrungen beim Holocaust-Mahnmal vor einem solchen Verfahren. Ein erster offener Wettbewerb habe damals ergebnislos abgebrochen werden müssen, nachdem mehr als 500 Entwürfe eingereicht worden seien. Ein enges Wettbewerbsverfahren mit renommierten Architekten und Künstlern sei erfolgversprechender, argumentierte Neumärker.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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