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Aschot Manutscharjan

Zu den lesenswerten Büchern über den Niedergang des westlichen Demokratiemodells gehört die Studie von Yascha Mounk. Der Politikwissenschaftler lehrt an der Harvard Universität Politische Theorie und leitet das Tony Blair Institute for Global Change in London. Der in München geborene Autor versteht es meisterlich, allgemeinverständlich und klar zu formulieren, seine Ausführungen lassen sich mühelos verstehen und nachvollziehen.

Mounks Analysen provozieren: Die Bürger seien nicht nur von der Politik "tief enttäuscht", sondern ihre Wertschätzung für die Demokratie schwinde insgesamt. Die Umfragen, mit denen er seine Thesen begründet, sind besorgniserregend: So wünsche sich jeder dritte Deutsche "einen starken Anführer". Unhistorisch kommt allerdings seine Bewertung daher, wir würden Zeugen eines "einzigartigen Experiments", in dem sich der monoethnische Staat in eine multiethnische Gesellschaft verwandelt.

Insgesamt handelt es sich bei Yasha Mounks Buch um eine nüchterne Sachstandsbeschreibung zur Lage der Demokratie. Der Autor berichtet vom Aufstieg politischer Neulinge, die mit ihren radikalen, bislang tabuisierten Forderungen die liberalen Demokratien in Misskredit zu bringen suchten. Die sozialen Netzwerke helfen ihnen dabei, sich zu organisieren und weiter zu radikalisieren.

Mounks Ziel ist es, die Gründe für die Enttäuschung der Wähler und den Triumph der "illiberalen Populisten" - wie Donald Trump in den USA oder die "Alternative für Deutschland" - zu erklären. Folgt man Mounk, so können sie auch in Deutschland wie zuvor in Polen, Ungarn oder in der Türkei an die Macht gelangen. Deshalb appelliert er an alle Demokraten, sich auf die "nächsten Kämpfe" vorzubereiten. Jeder Anhänger des repräsentativen Demokratiemodells müsse den Populisten Paroli bieten und sich aktiv für die westlichen Werte einsetzen. Außerdem sollten die etablierten Parteien ihre Programme ändern, um dem Gros der Bevölkerung eine bessere Zukunft zu sichern.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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