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Alexander Weinlein
Kurz REZENSIERT

Die Zeiten, in denen die Menschen etwas glaubten, nur weil es schwarz auf weiß in der Zeitung gedruckt zu lesen steht, sind lange vorbei. Im Gegenteil, Journalisten sehen sich mit einem zunehmenden Glaubwürdigkeitsdefizit konfrontiert. Davon zeugen die Parolen von der "Lügen- und Systempresse" oder von den "Mainstream-Medien". Doch was ist dran am Vorwurf, der Journalismus werde seiner Aufgabe nicht mehr gerecht? 14 Journalistik-Studenten von der TU Dortmund stellen sich in ihren Beiträgen des Sammelbandes "Meinung, Macht, Manipulation" dieser und anderen Fragen. Wer akademische und praxisferne Kost vermutet, der sei beruhigt. Die jungen Journalisten verfügen allesamt über redaktionelle Berufserfahrung und bieten einen ganz handfesten, persönlichen und an den harten Fakten des Geschäfts orientierten Einblick in das Mediengeschäft. Es geht um ökonomische Zwänge, um Skandalisierung und Boulevardisierung, um Digitalisierung und die sozialen Medien, aber auch um das Selbstbild und die Außenwahrnehmung von Journalisten.

Die Autoren scheuen sich auch nicht einzuräumen, dass Journalisten in ihrem Bemühen um eine unabhängige, kritische und zugleich faire Berichterstattung an "natürliche" Grenzen stoßen. Journalisten sollten "zwar auf der Glaskuppel sitzen und Ereignisse darstellen, die in der Glaskuppel passieren". Zugleich seien sie aber selbst Teil der Gesellschaft. "Die Glaskuppel verlassen zu können, ist nicht mehr als ein frommer Wunsch."

Abschließende Antworten auf all die Fragestellungen liefert der Sammelband nicht und seine Autoren erheben diesen Anspruch auch nicht. Dennoch bietet der Band eine beruhigende Gewissheit: Solange Journalisten fähig und willens sind, ihr eigene Profession selbstkritisch zu reflektieren, ist der Journalismus in einem deutlich besseren Zustand als manche Kritik derzeit zu suggerieren vermag.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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