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Karl-Otto Sattler
Kurz REZENSIERT

Der Hype um die Digitalisierung nimmt richtig Fahrt auf, neuerdings gibt es sogar eine Staatsministerin für dieses Thema. Da setzen Steffen Lange und Tilman Santarius mit ihrem kritischen Blick einen Kontrapunkt. Die Gewerkschaften treibt schon lange die Furcht vor der Vernichtung von Arbeitsplätzen und dem Entstehen eines "digitalen Tagelöhnertums" um. Auch die beiden Wissenschaftler vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung befassen sich mit der Ausbreitung von Billigjobs im Internet, dem Crowdworking. Zudem sezieren sie die ausufernde Überwachung von Arbeitnehmern und Bürgern: Konzernen, Arbeitgebern und Geheimdiensten eröffnet die Digitalisierung dazu phantastische Möglichkeiten. Das "smarte home" verschafft Big Brother den Zugang selbst zu Wohnungen.

Neuland betreten die Verfasser mit der Frage, wie sich die Digitalisierung auf die Umwelt auswirkt. Sie warnen vor dem Anwachsen immer größerer Datenberge, deren Bewältigung den Strombedarf in schwindelnde Höhen schraubt - allein das technische Management der Kryptowährungen steigert den Energiehunger massiv. Das Buch betont freilich auch positive Aspekte der Digitalisierung. So könne die Energiewende durch die Vernetzung erneuerbarer Energiequellen gelingen. Mit smarter Mobilität ließen sich Bus und Bahn, Carsharing und Radfahren digital verknüpfen und stärken. Alternative Firmen könnten besser kooperieren, profitieren werde auch der Online-Handel etwa mit Bio-Nahrungsmitteln oder nachhaltig produzierten Kleidern.

Allerdings fürchten Lange und Santarius, dass Erfolge der Digitalisierung wie Ressourcenschonung und effiziente Energienutzung für mehr Wachstum und nicht für die von ihnen geforderte Reduzierung des Konsums genutzt werden. Um Letzteres zu erreichen verlangen sie unter anderem Werbeverbote im Internet. Das freilich wäre Zensur.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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