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EDITORIAL
Jörg Biallas
Kampf für den Frieden

"Oma, erzähl´ doch mal vom Krieg." Die Generation derer, die heute selbst das Großeltern-Alter erreicht haben, wird sich an solche Aufforderungen an die Altvordern erinnern. Nicht immer folgten darauf kindgerechte Berichte von den Grauen des Krieges, von Front und Flucht, Elend und Entbehrung. Oft flossen auch Tränen des Schmerzes und der Scham. Und manchmal war die Erinnerung so unerträglich, dass der Gedanke an das Erlebte noch Jahrzehnte später einzig stummes Entsetzen auslöste. Und doch waren diese Momente zwischen Enkeln und Großeltern wichtig. Für beide Seiten. Den Erzählenden half es, Traumata zu verarbeiten, bestenfalls die Dinge im Lichte historischer Reflexion neu einzuordnen. Nicht selten wurde im Rahmen dieser sehr persönlichen Geschichtsstunden aber auch das eigene Verhalten durch kindliche Nachfragen zum Gegenstand massiver Kritik. Und gewiss wurde mancher auch mit selbst begangenem Unrecht konfrontiert, woraus jedoch längst nicht immer die richtigen Schlüsse gezogen wurden.

Für die nachwachsende Generation waren solche Berichte von unschätzbarem Wert. Krieg wurde vorstellbar, weil die Protagonisten im Wohnzimmer-Lehnstuhl unmittelbar vor einem saßen. Frieden wurde wichtig, weil die Erkenntnis, dass das auf keinen Fall wieder geschehen darf, sich hundertmal in der Frage entlud: "Kann das heute auch passieren?"

Wer ehrlich ist, muss zugeben: Es war schon einmal leichter, diese Frage mit einem entschiedenen Nein zu beantworten. Die Kriege, die bewaffneten Konflikte in vielen Teilen der Welt machen Angst. Längst exportiert der internationale Terrorismus Mord und Totschlag mit unvorstellbarer Brutalität. Auch wenn die militärischen und polizeilichen Sicherungssysteme der westlichen Welt weit verlässlicher als gelegentlich unterstellt funktionieren, wächst die Gewissheit: Frieden ist kein Gut, das sich von allein ergibt. Und Frieden ist schon gar nicht selbstverständlich. Die Massen der Flüchtlinge, die weiterhin nach Europa drängen, belegen, wie nah uns der Krieg ist.

Es lohnt sich also, für ein friedliches Miteinander zu kämpfen. In der Familie, am Ausbildungs- und Arbeitsplatz, in der Freizeit. Denn Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Frieden ist eine Lebenseinstellung. Im Zwischenmenschlichen wie in der Politik.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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