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Ortstermin: Das internationale Parlamentsstipendium
Götz Hausding
»Das Praktikum ist eine absolute Bereicherung«

Sie senken den Altersdurchschnitt und sorgen für mehr Internationalität im Deutschen Bundestag: die Teilnehmer am Programm des Internationalen Parlamentsstipendiums (IPS). 116 junge Leute aus 40 verschiedenen Ländern - Kanada ist in diesem Jahr erstmals dabei - nehmen am fünfmonatigen, noch bis Ende Juli laufenden IPS-Programm teil. Einen Hochschulabschluss nennen die Stipendiaten ihr Eigen und gute Deutschkenntnisse besitzen sie. Highlight des IPS-Programms ist das derzeit laufende dreimonatige Praktikum in einem Abgeordnetenbüro. Zu dem Programm gehören auch interkulturelle Trainings, Veranstaltungen mit den politischen Stiftungen und Planspiele, durch die den jungen Leuten die Arbeitsweise des Bundestages näher gebracht wird.

Und so nehmen ein junger syrischer Arzt, der eigentlich beim Deutschen Generalkonsulat in die Türkei arbeitet, die Französin Lucie, die auch schon ein Praktikum in der Assemblée nationale absolviert hat, die Türkin Tuba, die das Berufsziel Außenministerin angibt oder der Jurist Davit aus Georgien an Ausschusssitzungen teil, verfolgen die Bundestagsdebatten live im Plenum und begleiten ihre "Patenabgeordneten" zu wichtigen Terminen.

Für Davit Chikhladze, der im Büro der SPD-Abgeordneten Doris Barnett arbeitet, ist das IPS eine einzigartige Möglichkeit, "um sich mit dem Parlamentarismus, Pluralismus und der institutionalisierten Demokratie in Deutschland auseinanderzusetzen". Das Erstarken des Populismus in Europa - auch in seinem Heimatland Georgien - verpflichte junge Wissenschaftler wie ihn zu politischem Engagement, betont er. Davit Chikhladze ist sehr zufrieden mit dem, was er bislang im Rahmen des IPS-Praktikums erfahren hat. "Meine Erwartung, in der Phase nach der erneuten Bildung einer Großen Koalition nicht nur die Tagespolitik, sondern auch die übergeordnete Politik der OSZE kennenzulernen, hat sich erfüllt", sagt er.

Einen Mehrwert stellt das IPS aber auch für die Abgeordneten dar. Alexander Ulrich (Die Linke) erklärt warum: "Die Praktikumszeit der IPS-Stipendiaten stellt jedes Jahr aufs Neue auch für mein Büro und mich eine absolute Bereicherung dar", sagt Ulrich. Es sei immer wieder toll, Interessantes über die kulturellen und politischen Hintergründe der jeweiligen Herkunftsländer und auch über interkulturelle Beziehungen aus Sicht der Stipendiaten zu erfahren.

Eine Win-Win-Situation also, wie auch Kerstin Radomski (CDU) bestätigt, deren Begeisterung für das IPS schon direkt nach ihrer ersten Wahl in den Bundestag im Jahr 2013 geweckt wurde. Das IPS biete jungen Menschen und ebenso Parlamentariern eine besondere Möglichkeit, den eigenen Erfahrungshorizont zu erweitern, findet Radomski. Das Programm ermögliche zudem die Teilnahme an vielfältigen Seminaren und Workshops zur deutschen Demokratie, "etwa zur besonderen Erinnerungskultur in unserem Land, zu den Rechten parlamentarischer Minderheiten oder zum Thema Pressefreiheit", sagt die Unionsabgeordnete.Götz Hausding

Aus Politik und Zeitgeschichte

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