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Aschot Manutscharjan
Kurz REZENSIERT

"Im Land Israel entstand das jüdische Volk; hier prägte sich sein geistiges, religiöses und politisches Wesen" - so lautet der erste Satz der Unabhängigkeitserklärung Israels. Verfasst hatte ihn in der Nacht auf den 14. Mai 1948 der erste Ministerpräsident persönlich: David Ben Gurion. Er betrachtete die Staatsgründung auch als "Kompensation für den millionenfachen Mord" während des Holocaust. Gurion sollte den "jüdischen Staat" weitere 15 Jahre führen. Seine Eingebung: "Der Staat Israel wird kein Picknick sein", sollte sich als zutreffend erweisen.

Der damals 62-jährige Zionist hatte mit der Staatsgründung seinen Lebenstraum verwirklicht. Für ihn war klar, dass der Platz aller Juden in Israel zu sein hat. Dabei war Ben Gurion nicht gläubig, sondern ein Atheist, der Schweinefleisch aß und auch an religiösen Feiertagen arbeitete. Er gehörte zu den ersten Einwanderern Anfang des 20. Jahrhunderts, die Theodor Herzls Idee eines Staates Israel in Palästina umsetzen wollten. Der in Polen als David Grün geborene Politiker hatte bereits als 17-Jähriger dafür geworben, Hebräisch anstelle von Jiddisch als Umgangssprache einzuführen.

Dieser Generation sei es zu verdanken, dass die Briten die zionistische Bewegung bei der Errichtung einer Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina unterstützten, betont der bekannte israelische Historiker Tom Segev. Als Student hatte er Ben Gurion interviewt, während seine Mutter den großen Staatsmann fotografierte. Eines dieser Fotos ziert das Cover des Buches ihres Sohnes.

Segev beschreibt uns einen gnadenlosen Politiker, der im Überlebenskrieg harte Entscheidungen treffen musste. Und einen weisen und liebevollen Menschen, der Freunde hatte, Ängste und Affären. Wie mit seinen Büchern über die Geschichte Israels, so ist Tom Segev auch mit der Biografie des Staatsgründers ein Meisterwerk gelungen: Quellenreich, kritisch und perfekt geschrieben.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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