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GesunDheit
Claus Peter Kosfeld
Weiter Streit um Cannabis

Eine mögliche Legalisierung und kontrollierte Abgabe von Cannabis ist unter Experten weiter heftig umstritten. Das zeigte sich bei einer öffentlichen Anhörung des Gesundheitsausschusses vergangene Woche. Die FDP-Fraktion schlägt in einem Antrag (19/515) vor, Modellprojekte für den Cannabiskonsum zu ermöglichen, um die Verbreitung der Droge zu kontrollieren. Die Linke fordert in einem Antrag (19/832), von einer strafrechtlichen Verfolgung bei Volljährigen abzusehen, wenn es um bis zu 15 Gramm Cannabis zum Eigenkonsum geht. Die Grünen zielen mit einem Gesetzentwurf (19/819) darauf ab, Cannabis aus den strafrechtlichen Regelungen des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) zu lösen und einen kontrollierten legalen Markt zu eröffnen.

Der Wirtschaftswissenschaftler Justus Haucap argumentierte, mit der Freigabe von Cannabis könnte dem organisierten Verbrechen die Kontrolle über den Markt wirksam entzogen werden. So ließen sich Nutzer besser schützen. Drogendealer hätten kein Interesse, Qualität zu verkaufen. Vielmehr würden den Drogen oft extrem schädigende zusätzliche Substanzen beigemischt. Zudem wollten die Dealer ihren Kunden tendenziell härtere Drogen verkaufen, weil dies den Profit steigere.

Der Suchtforscher Rainer Thomasius erklärte hingegen, das Konzept aus Prävention und Ausstiegshilfen habe sich bewährt. Bei einer Freigabe der Droge wären vor allem Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien gefährdet, weil sie besonders leicht verführbar seien. Zudem würde der Schwarzmarkt fortbestehen.

Auch die Bundesärztekammer (BÄK) warnte vor der Verharmlosung der Droge, die in immer höherer THC-Konzentration verfügbar sei. Psychiater sehen in Cannabis eine problematische Droge, deren Auswirkungen auf die Psyche noch nicht vollständig erforscht sind. Nach Angaben der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) gibt es Hinweise auf mögliche Schäden insbesondere bei häufigem Cannabiskonsum junger Leute, so etwa Störungen der geistigen Entwicklung und in der Folge Schulprobleme. Der Verband verwies auch auf Wechselbeziehungen zwischen dem Cannabiskonsum und der Abhängigkeit von anderen Drogen wie Alkohol, Amphetaminen, Kokain und Nikotin.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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