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Gastkommentare - Pro
Stephan Hebel, freier Journalist
Sinnvolle Idee

Brauchen wir eine Roboter-Steuer?

M it der Roboter-Steuer ist es ganz ähnlich wie mit der Digitalisierung insgesamt: Jede und jeder versteht darunter etwas anderes, und das führt zu einigen Missverständnissen.

Die Idee der Roboter-Steuer ist ein modernisierter Abkömmling der seit vielen Jahren diskutierten Maschinensteuer. Und dieser Vorschlag kommt immer auf, wenn schnelle technische Entwicklungen Arbeitsplätze überflüssig zu machen drohen. Dann ist damit oft gemeint, dass man durch die Belastung mit Steuern den Einsatz der Technik zugunsten menschlicher Arbeit eindämmen sollte.

Das wäre in der Tat Unsinn: Technik kann ja immer auch Entlastung bedeuten. Warum sollten wir schwere und stupide Arbeit nicht überwinden? Weil das Arbeitslose produziert?

Genau hier aber fängt der Denkfehler an: Es geht darum, Menschen von überflüssiger Anstrengung zu befreien - aber nicht um den Preis, ihnen den Lebensunterhalt zu nehmen. Weniger Arbeit, vor allem weniger belastende Arbeit: Das kann man auch als schönen Zukunftsentwurf verstehen. Vorausgesetzt, wir sorgen dafür, dass der Verkauf der eigenen Arbeitskraft nicht die einzige Einkommensquelle der Mehrheit bleibt.

Das aber kann nur funktionieren, wenn ein Unternehmer, der durch den Einsatz von Technik Arbeitskräfte und Kosten spart, einen Teil dieser Einsparungen abgibt und der Staat das Geld an diejenigen, die nun weniger Arbeit haben, umverteilt. Diese Idee allerdings, wenn auch seit Jahren in der Politik ohne Chance, ist so aktuell wie eh und je.

Fordern wir also etwas zurück von dem Gewinn, der durch den Einsatz von Robotern zusätzlich gemacht wird. Das wäre wirklich sinnvoll - egal, ob man es "Roboter-Steuer" nennt oder nicht.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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