Inhalt

Parlamentarisches Profil
Hans Krump
Der Unternehmer: Uwe Kamann

U we Kamann muss sich an sein neues Leben in der Politik noch gewöhnen. Anfang 2014 in die AfD eingetreten und bis auf ein SPD-Jahr als Jugendlicher parteiabstinent, sitzt er seit Oktober 2017 im Bundestag. Zuletzt führte der gelernte Energieanlagenelektroniker eine IT-Firma. Wie kommt der 59-Jährige aus Aachen mit dem Berliner Politikbetrieb zurecht? "Es ist ambivalent", sagt Kamann. "Als Unternehmer war ich sehr stark ergebnis- und zielorientiert. Im Bundestag läuft vieles anders, vor allem für eine Oppositionspartei, die mit ihren Anliegen immer wieder abgeblockt wird."

Gleichwohl hat Kamann den Schritt in die Politik nicht bereut. Hier kann er sein Steckenpferd, die Digitalisierung der Gesellschaft, reiten. Er ist AfD-Obmann im Ausschuss Digitale Agenda und hat gute Chancen, bald auch in der Enquete-Kommission Künstliche Intelligenz (KI) zu sitzen. Kamann begrüßt, das KI-Thema in einer von der Großen Koalition angestoßenen Kommission "in allen Facetten" zu behandeln und nicht als eins von vielen Themen im Digitalausschuss. "Auch wenn die Koalition derzeit durch ihre inneren Streitereien abgelenkt ist und die Gefahr eines Schnellschusses besteht."

Wie bei der Digitalisierung generell, will der AfD-Abgeordnete auch bei der Künstlichen Intelligenz erst einmal mehr die Chancen als die Gefahren sehen. Gewiss gingen Arbeitsplätze durch Automatisierung verloren, so bei Banken, beim Monitoring oder der Logistik. Es gebe den Daten-Missbrauch. Und es gebe Gefahren wie durch das Sozial-Kredit-System in China, wo Menschen zu bestimmtem Verhalten gedrillt und dann belohnt oder bestraft werden. All das müsse die Enquete-Kommission breit beleuchten.

KI sei aber auch Zukunft, die unsere Gesellschaft umkrempeln werde und neue qualifizierte Jobs bringe. Kamann: "Niemand weiß heute, wie die Arbeitsplatzbilanz in diesem Bereich eines Tages aussieht. Künstliche Intelligenz braucht einen Vertrauensvorschuss." Sonst bestünde die Gefahr, gegen Riesen wie China oder die USA völlig abgehängt zu werden. Kamann will, dass Deutschland sich hier auf seine Stärken konzentriert. "Unsere Kraft liegt im produzierenden Gewerbe. Hier sollte der Schwerpunkt bei KI in Deutschland liegen."

Sorgen bereitet Kamann die skeptische Grundhaltung zu technischen Neuerungen hierzulande. "Deutschland liegt im Digitalisierungsindex in Europa knapp über dem EU-Schnitt - für eine führende Industrienation eine Katastrophe. Ohne gesellschaftliche Akzeptanz kommen wir in diesen zukunftsträchtigen Bereichen nicht nach vorne." Dazu gehöre auch, dass das Bildungs- und Forschungsministerium den Etat für KI-Forschung von derzeit rund 60 Millionen kräftig erhöht.

Uwe Kamann will den Weg Deutschlands in die Digitalisierung mit vorantreiben. Das ist sein Hauptthema, auch wenn die AfD vor allem durch die Flüchtlingskrise 2017 mit einem zweistelligen Ergebnis in den Bundestag gespült wurde. Eingetreten ist er in die Partei vor mehr als vier Jahren wegen seiner Skepsis über die EU-Währungspolitik. "Eine harmonische Währung über ein unharmonisches Staaten-Umfeld zu spannen, kann nur schiefgehen und wird uns eines Tages viel Geld kosten", sagt Kamann.

Der Chef der 14-köpfigen NRW-Landesgruppe findet, dass die AfD-Fraktion in den ersten Monaten im Bundestag wichtige Akzente gesetzt hat, trotz einhelliger Ablehnungsfront der übrigen Fraktionen. Kamann missfällt aber, dass die Präsenz der AfD-Abgeordneten im Plenum nach den ersten Wochen spürbar abgenommen hat - für viele verständlich, nachdem viele jetzt mit Ausschusssitzungen, Redevorbereitungen und anderem zu tun haben. Kamann: "Ich meine, dass jeder im Plenum anwesend sein sollte, wenn er nicht gerade mandatsbezogene Aufgaben hat." Das sehen nicht alle in der Fraktion so.

Geboren 1958 in Magdeburg, kam Uwe Kamann als Zweijähriger mit seinen Eltern nach Nordrhein-Westfalen. Von 1960 bis 1997 lebte er in Oberhausen und sieht sich "vom Herzen her als echten Ruhrpottler". Er hat als Elektrohauer unter Tage gearbeitet, war bei Handwerksbetrieben und wechselte 1984 in die Industrie, unter anderem als Führungskraft bei der Daimler-Tochter debis. 2006 gründete er eine IT-Firma in Köln, 2011 ein IT-Unternehmen in Düsseldorf. Der verheiratete Vater dreier Kinder entspannt sich auf seiner Finca auf Mallorca, wenn er dazu noch Zeit hat.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag