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Gastkommentare - Contra
Guido Bohsem, Neue Berliner Redaktionsgesellschaft
Sie würde scheitern

Brauchen wir eine Roboter-Steuer?

B einahe jede Welle technischen Fortschritts hat ihre Maschinenstürmer. Als die industrielle Revolution einsetzte, wollten die Ludditen alle Webstühle zerschmettern. Sie fürchteten um ihre Arbeitsplätze und glaubten, den Fortschritt mit Gewalt aufhalten zu können. Heute greifen die Maschinenstürmer der digitalen Revolution nicht mehr zu Hammer und Brecheisen. Sie kämpfen mit anderen Mitteln: Werden nur ausreichend hohe Steuern auf den Kollegen Roboter erhoben, so oder so ähnlich lautet ihre These, könnten die intelligenten Maschinen verhindert werden.

Ihnen dürfte es so gehen wie vor 200 Jahren den Webern in England. Sie werden scheitern. Der technologische Fortschritt wird sich auch mit Wertschöpfungssteuern nicht aufhalten lassen. Würden sie eingeführt, bauten die Unternehmen ihre Roboter einfach in Deutschland ab - und woanders wieder auf. Weder blieben die Jobs in Deutschland noch gäbe es Steuereinnahmen für soziale Leistungen wie das immer wieder im Zusammenhang mit der Robotersteuer geforderte Grundeinkommen.

Das ist kein Grund zum Verzweifeln. Denn die Wirtschaftsgeschichte hat nicht nur gezeigt, dass die Ludditen jeder Zeit vergebens handeln. Sie hat ebenso belegt, dass technischer Fortschritt keineswegs für weniger, sondern vielmehr für zusätzliche und bessere Arbeitsplätze sorgt. Jedenfalls auf mittlere und lange Sicht. Kurzfristig schaut das anders aus. Doch gerade deswegen sollte man nicht über besonders clevere Roboter-Steuern sinnieren, sondern lieber überlegen, wie jedem Arbeitnehmer das Recht und die Chance auf einen Neuanfang in einem neuen Job gegeben werden kann.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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