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Helmut Stoltenberg
Chronik

8.8.1918 "Schwarzer Tag des deutschen Heeres": An der Westfront fügen alliierte Truppen in der Schlacht bei Amiens den Deutschen schwere Verluste zu.

14.9. Kaiser Karl I. von Österreich sendet an alle alliierten und neutralen Länder eine Friedensnote.

29.9. Die Oberste Heeresleitung (OHL) erklärt überraschend gegenüber Kaiser Wilhelm II. den Krieg für verloren. Generalquartiermeister Erich Ludendorff fordert Waffenstillstandsverhandlungen und dringt darauf, die Regierung auf eine parlamentarische Basis zu stellen.

30.9. Wilhelm II. kündigt an, in Deutschland ein parlamentarisches System einzuführen. Reichskanzler Georg von Hertling tritt zurück. Die Seekriegsleitung zieht die deutsche Hochseeflotte in Wilhelmshaven zusammen.

Bulgarien kapituliert.

3.10. Neuer Reichskanzler wird Prinz Max von Baden. In sein Kabinett treten mit Philipp Scheidemann und Gustav Bauer (am 4.10.) auch zwei Vertreter der Mehrheits-SPD (MSPD) ein.

4.10. Max von Baden ersucht US-Präsident Woodrow Wilson in einer öffentlichen Note um Friedensverhandlungen.

23.10. Wilson fordert die Entmachtung Wilhelm II., die Entwaffnung des Deutschen Reiches, die Rückgabe von Elsass-Lothringen an Frankreich und die Aufhebung des Friedens von Brest-Litowsk.

24.10. Die deutsche Marineführung gibt Befehl zum Auslaufen der Hochseeflotte. Ungarn erklärt sich für unabhängig.

26.10. Der Reichstag verabschiedet das "Gesetz zur Abänderung der Reichsverfassung", das am 28. Oktober in Kraft tritt.

Ludendorff wird entlassen; ihm folgt General Wilhelm Groener nach.

27.10. Auf mehreren Schiffen der Hochseeflotte kommt es zu ersten Befehlsverweigerungen.

28.10. Scheidemann fordert den Thronverzicht Wilhelm II., der Berlin verlässt und in das Hauptquartier im belgischen Spa fährt.

Ausrufung der Tschechoslowakei.

29.10. Der Chef der Hochseeflotte, Admiral Franz von Hipper, suspendiert den Befehl zum Auslaufen der Flotte am 30. Oktober, nachdem Matrosen des 1. und 3. Geschwaders die Kesselfeuer stillgelegt hatten.

30.10. Das Osmanische Reich kapituliert.

31.10. Nachdem vor Wilhelmshaven Torpedoboote ihre Geschütze auf die Schlachtschiffe "Thüringen" und "Helgoland" gerichtet haben, lassen sich deren meuternde Matrosen verhaften. Während der Rückkehr des Geschwaders nach Kiel werden weitere Matrosen verhaftet.

In Wien übernimmt die erste deutschösterreichische Regierung unter Karl Renner (SPD) die politische Gewalt.

3.11. Österreich-Ungarn kapituliert.

In Kiel werden bei einer Demonstration sieben Matrosen erschossen.

4.11. In der Stadt werden Soldatenräte gebildet; Kiel ist in der Hand der Aufständischen.

5.11. Alle Kriegsschiffe haben die rote Fahne gehisst. In Brunsbüttelkoog und Lübeck entstehen Arbeiter- und Soldatenräte.

6.11. In Wilhelmshaven, Cuxhaven, Bremen, Hamburg, Rendsburg und Flensburg übernehmen Arbeiter- und Soldatenräte die politische Gewalt; in ganz Deutschland folgen in den folgenden Tagen eine Vielzahl weiterer Städte.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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