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Friedrich
Johanna Metz


Friedrich Ebert

Der Kaiser dankte ab, Philipp Scheidemann rief die Republik aus - und plötzlich stand ausgerechnet der SPD-Vorsitzende Friedrich Ebert an der Spitze der Revolutionsregierung. Überzeugt davon, dass nur eine verfassungsgebende Versammlung zwischen der künftigen Staatsform - Monarchie oder Republik - entscheiden könne, hatte er bis zuletzt vergeblich versucht, den gewaltsamen Umbruch zu verhindern. Doch Max von Baden übergab Ebert eigenmächtig sein Amt - und der Revolutionär wider Willens sah es fortan als seine Aufgabe an, die Revolution schnellstmöglich zu beenden und in parlamentarische Bahnen zu lenken. Nach den Wahlen am 19. Januar 1919 wählte die seit dem 6. Februar in Weimar tagende Nationalversammlung Ebert zum Reichspräsidenten der Weimarer Republik. Der wollte ein überpartlicher Versöhner sein, ein Staatsoberhaupt aller Deutschen. Doch der Volksschulabsolvent, 1871 in Heidelberg geboren und zum Sattler ausgebildet, wurde von radikalen Linken und rechten Nationalisten gleichermaßen angefeindet. Erstere hatten eine sozialistische Revolution nach russischem Vorbild angestrebt und sahen in Ebert nun einen Verräter der Arbeiterklasse. Letztere diffamierten ihn als Vaterlandsverräter. In einem Prozess, den ein Journalist gegen ihn anstrengte, stellte das Gericht 1924 fest, dass Ebert wegen seiner Beteiligung am Munitionsarbeiterstreik im Januar 1918 Landesverrat begangen habe. Der überzeugte Demokrat, gewillt seinen Ruf zu retten, zögerte daraufhin eine ärztlich empfohlene Behandlung weit hinaus. Am 28. Februar 1925 starb Ebert 52-jährig an einer Blinddarmentzündung. Johanna Metz

Aus Politik und Zeitgeschichte

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