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Helmut Stoltenberg
Chronik

10.12.1918 Ebert begrüßt von der Front heimkehrende Divisionen vor dem Brandenburger Tor mit den Worten: "Kein Feind hat euch überwunden." Die kriegsmüden Truppen laufen kurz darauf auseinander.

14.12. Rosa Luxemburg veröffentlicht das Programm des Spartakusbundes.

16.12. In Berlin kommen Vertreter von Arbeiter- und Soldatenräten aus ganz Deutschland zu einem Reichskongress zusammen, auf dem die MSPD eine breite Mehrheit hat. Während der bis zum 21. Dezember dauernden Beratungen votiert der Kongress klar gegen die Schaffung eines Rätesystems und entscheidet sich für den 19. Januar 1919 als Wahltermin für die Nationalversammlung. Ferner bildet er einen "Zentralrat", der die Regierung kontrollieren soll. Ihm gehören nur MSPD-Vertreter an, da die USPD die Wahl boykottiert.

23./24.12. Im Streit um die Forderung nach einem Abzug der ursprünglich zum Schutz der Regierung bestimmten Volksmarinedivision aus dem Berliner Stadtschloss besetzen deren Matrosen die Reichskanzlei, stellen die Regierung unter Arrest und nehmen Stadtkommandant Otto Wels (MSPD) als Geisel, um zurückgehaltenen Sold einzufordern. Am Morgen des 24. Dezember veranlasst Ebert, das Schloss zu räumen, doch ein Angriff regierungstreuer Truppen scheitert. Bei den "Weihnachtskämpfen" sterben 56 Soldaten der Regierungstruppen und elf Matrosen.

28./29.12. Nach einer gemeinsamen Sitzung von Regierung und Zentralrat treten die drei USDP-Volksbeauftragten Hugo Haase, Wilhelm Dittmann und Emil Barth aus Protest gegen Eberts Vorgehen aus der Regierung aus; für sie rücken Gustav Noske und Rudolf Wissell (beide MSPD) nach.

30.12. In Berlin beginnt der dreitägige Gründungsparteitag der "Kommunistischen Partei Deutschlands" (KPD), zu der sich der Spartakusbund und kleinere linksradikale Gruppen zusammenschließen.

4.1.1919 Der Berliner Polizeipräsident Emil Eichhorn (USPD) wird entlassen. Als Reaktion rufen Revolutionäre Obleute, USPD und KPD für den nächsten Tag zu einer Massendemonstration in Berlin auf.

5.1. Während der Großdemonstration werden Pressegebäude - unter anderem des sozialdemokratischen "Vorwärts" - besetzt. Ein Revolutionsausschuss unter Vorsitz von Karl Liebknecht (KPD) sowie je eines Vertreters von USPD und Revolutionären Obleuten wird gebildet.

6.1. Der Revolutionsausschuss erklärt den Rat der Volksbeauftragten für abgesetzt. Die SPD ruft ihre Anhänger auf die Straßen des Regierungsviertels. Der Rat der Volksbeauftragten beschließt die Schaffung loyaler militärischer Verbände, Noske übernimmt den militärischen Oberbefehl: "Einer muss der Bluthund werden."

8.1. Nach gescheiterten Verhandlungsversuchen zwischen Regierung und Aufständischen zeigt sich der Rat der Volksbeauftragten in einem Aufruf entschlossen zur gewaltsamen Niederschlagung des Aufstands: "Gewalt kann nur mit Gewalt bekämpft werden."

9.1. Der Revolutionsausschuss ruft zum Generalstreik auf.

11.1. Regierungstruppen stürmen das "Vorwärts"-Gebäude und die besetzten Pressehäuser.

12.1. Mit der Stürmung des Polizeipräsidiums durch Regierungstruppen endet der Januar-Aufstand, bei dem insgesamt 165 Menschen ums Leben gekommen sind.

13.1. Freikorps rücken in Berlin ein.

15.1. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht werden von Freikorpssoldaten verhaftet, misshandelt und ermordet.Weiter S.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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