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Karl-Otto Sattler
Kurz REZENSIERT

Für manche Leser dürfte es etwas mühevoll sein, sich durch jene Passagen durchzuarbeiten, in denen Michael Hartmann den Elitebegriff seziert, Statistiken über die Einkommenskluft in der Gesellschaft auswertet oder Studien zum Selbstverständnis der Reichen und Mächtigen samt ihrer bürgerlichen Herkunft analysiert. Diese Gründlichkeit macht indes die fulminante Kritik des Soziologen an den Eliten und deren unheilvollem Wirken in der Gesellschaft in seinem auch für Nichtwissenschaftler lesbaren Buch überzeugend und glaubwürdig.

Aus Sicht des Autors gehören zu den Eliten in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Justiz und Medien jene Leute, die an zentralen Schalthebeln der Macht sitzen und in diesen Positionen die gesellschaftliche Entwicklung dirigieren. Für Deutschland beziffert Hartmann diesen Personenkreis auf gerade mal 4.000. In der Wirtschaft geht diese Machtfülle oft einher mit märchenhaften Einkünften für Konzernmanager und Unternehmenseigentümer. Die Weißglut ins Gesicht treiben den Normalbürgern Millionenabfindungen sogar für jene Bosse, die ihre Firmen in die Krise gestürzt haben.

Hartmanns Hauptvorwurf: Die Eliten schotten sich vom Rest der Gesellschaft ab und denken über die Folgen ihres Handelns für Durchschnittsverdiener und Arme nicht nach. So hält er Siemens vor, trotz Milliardengewinnen ausgerechnet in Görlitz einen Stellenabbau angekündigt und überhaupt nicht bedacht zu haben, dass dies der in dieser Region ohnehin starken AfD noch mehr Auftrieb verleiht. Überhaupt verortet er eine Mitverantwortung der Eliten für den Aufschwung der AfD, die vor allem bei Arbeitern und Erwerbslosen viel Zulauf hat.

Hartmann kritisiert die Eliten, weil sie als "abgehobener Selbstrekrutierungsbetrieb" die Demokratie aushöhlen. Er hofft, dass durch die Abkehr der britischen Labour Party unter Jeremy Corbin vom Neoliberalismus mehr Arbeiter den Weg an die Schalthebel politischer Macht finden und so die Elitestrukturen aufbrechen. Diese Ideen bleiben indes vage. Im Übrigen waren Marx und Engels keine Proletarier.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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