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Ortstermin: Jugendmedienworkshop im Bundestag
Lisa Brüßler
Der Krieg in den Medien

Was passiert, wenn Krieg ist und keiner hinsieht? Ohne die Medien finden Kriege im Bewusstsein der Öffentlichkeit kaum statt. Doch ist ein Krieg näher, wenn über ihn berichtet wird? Und was macht ein Krieg mit einer Gesellschaft? Antworten auf diese Fragen suchten vergangene Woche 30 interessierte Jugendliche beim Jugendmedienworkshop im Bundestag. Die jungen Medienmacher zwischen 16 und 20 Jahren diskutierten unter dem Motto "Zwischen Krieg und Frieden" mit Abgeordneten, Experten und Hauptstadtjournalisten, hospitierten für einen Tag in einer Redaktion eines Mediums und besuchten Plenarsitzungen. Nebenbei erstellten sie eine eigene Veranstaltungszeitung. Bereits zum 15. Mal wird die Veranstaltung vom Bundestag gemeinsam mit der Jugendpresse Deutschland und der Bundeszentrale für politische Bildung durchgeführt. "Das Thema wurde nicht nur gewählt, weil 2018 das Ende des Ersten Weltkrieges 100 Jahre und der Beginn des Dreißigjährigen Krieges 400 Jahre zurückliegt, sondern auch wegen der aktuellen Weltlage", sagte Projektleiter Bendix Lippe. Man wolle sich gemeinsam die Frage stellen, welche Aufgabe und welche Rolle Journalisten in Konflikten weltweit haben.

Schirmherrin der Veranstaltung ist Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Die Linke), die die Jugendlichen im parlamentarischen Alltag des Bundestags begrüßte: "Ich gratuliere Ihnen, dass Sie sich unter mehr als 100 Bewerbern durchgesetzt haben. Das Thema des Workshops ist hochaktuell und stellt sowohl Politiker, als auch Medienmacher vor neue Herausforderungen" sagte Pau.

Einer der 30 Teilnehmer ist Felix Granzow: "Ich bin nicht das erste Mal in Berlin, wohl aber das erste Mal so nah dran an der Bundespolitik und dem Hauptstadtjournalismus", erzählt der 17-Jährige, der in Bayreuth Volkswirtschaftslehre studiert. "Beworben habe ich mich, weil man in der Woche den Berliner Politikbetrieb erkunden kann und gleichzeitig lernt, wie man von der Themenfindung über die Recherche bis zum Schreiben und Überarbeiten einen guten Text produziert". Für seinen Artikel in der Veranstaltungszeitung des Jugendmedienworkshops recherchierte er zu neuen und hybriden Formen der Kriegsführung. Neben der Recherche für die Artikel sprachen die Nachwuchsjournalisten auch mit Abgeordneten, Verteidigungsexperten und Kriegsberichterstattern: "In einer Kleingruppe durften wir zuerst die Öffentlichkeitsarbeit des Verteidigungsministeriums kennenlernen und konnten dann den Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages mit unseren Fragen löchern - das war schon ein Highlight", erzählt Felix. "Wir als junge Deutsche haben zum Glück keine direkten Erfahrungen mit dem Krieg, aber das stellt uns auch vor das Problem, wie wir über etwas schreiben, was wir nie erlebt haben. Gleichzeitig ist auch Frieden ein sehr abstraktes Thema", erzählt er. Die Gespräche vor Ort haben ihm und den anderen Teilnehmern eine bessere Vorstellung von dem verschafft, was sich kaum vorstellen lässt, sagt er. Aber nicht nur die Gespräche, sondern vor allem der Blick hinter die Kulissen, waren eine spannende Erfahrung für den 17-Jährigen: "Zu sehen, wie das Parlament arbeitet und wie in Berlin Journalismus gemacht wird, sind schon besondere Einblicke", resümiert Felix die Woche. Lisa Brüßler

Aus Politik und Zeitgeschichte

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