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Aufgekehrt
Johanna Metz
Ein bisschen Erderwärmung

Menschen reden gern und viel über das Wetter. Inzwischen aber macht der Klimawandel launige Gespräche über das Thema schwieriger. Schnell ist man entweder ein Ignorant, wenn man sich ungehemmt über Dauer-Badewetter freut, oder ein Alarmist, wenn man sich bei Temperatur-Superlativen um Natur und Weltklima sorgt. Zu einer dritten Kategorie zählt der Trumpist, der Ignoranz mit Flachwitzen paart.

Einer von denen wohnt in einem großen weißen Haus in Amerika. Als vor einem Jahr eine fiese Kältewelle den Osten der USA überzog, wünschte er via Twitter "ein bisschen von dieser guten alten Erderwärmung" zurück und riet den bibbernden Bewohnern, sich warm anzuziehen. Nun, beim Schenkelklopfen ist den Leuten sicher wieder warm geworden. Und bestimmt haben sie sich im Internet eine Daunenjacke aus China bestellt, was wiederum die Herzen der Chinesen erwärmt hat. Denn die, das weiß der Trumpist, haben den Klimawandel erfunden, eben auch um ihren Daunenjacken-Absatz zu steigern. Das ist so klar wie der Himmel über dem großen weißen Haus, die Regierung muss dafür nicht mal den Klimabericht der eigenen Behörde lesen. Warum auch Statistiken trauen, die man nicht selbst gefälscht hat?

Dass diese Einsicht von Winston Churchill stammt, ist aber echt Fake News. Vielmehr wusste der britische Premier: "Du musst Dir die Fakten anschauen, denn diese schauen auf Dich." Wenn der Mann aus dem großen weißen Haus in Palm Beach Golfen geht, schaut die Sonne Floridas golden auf ihn herab und wärmt ihm die Föhnfrisur. Es ist schon komisch, dass sich in letzter Zeit so viele über das Wetter aufregen. Johanna Metz

Aus Politik und Zeitgeschichte

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