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Gastkommentare - Pro
Vera Cornette, "Bayerischer Rundfunk"
Auf jedem Feldweg

Schnellstes Internet in der Fläche?

Die Bundesforschungsministerin hat schon recht. Wir brauchen 5G nicht an jeder Milchkanne. Wir brauchen es auf jedem Feldweg, jedem Acker, jedem Weinberg. Denn wenn eine Forschungsministerin Fördergelder für Industrie-4.0-Projekte lockermacht, wie kann sie dann die Landwirtschaft 4.0 vergessen?

Vernetzte Weinberge, satellitengestützte Düngung auf dem Feld oder Pflugroboter - digitale Anwendungen drängen auf den Markt. Technik, die Landwirten und Winzern Kosten sparen hilft, die der Umwelt nützen könnten. Statt Glyposat auszutragen, könnten Roboter den Boden und damit die Unkräuter umpflügen. Doch all diese neuen Möglichkeiten kommen längst nicht im wünschenswerten Umfang zum Einsatz. Schon jetzt ist das Internet im ländlichen Raum zu lahm: Mehr als drei Viertel der Landwirte sind mit ihrem Internetzugang laut einer repräsentativen Umfrage des Bauernverbands unzufrieden. Von gleichwertigen Lebensverhältnissen in Stadt und Land kann da schon mal nicht die Rede sein. Und wenn die Bundesforschungsministerin den schnellen Netzausbau für vernachlässigbar hält, dann wird sie ländliche Regionen nicht am Leben halten können. Die jungen, klugen Köpfe bleiben sicher nicht dort, wo es heißt: Willkommen im Edgeland. Die, die doch bleiben, sind weiter abgehängt.

Während sich in Deutschland die Großstadtbewohner auf 5G freuen und die Landbevölkerung bangt, ob sie damit ausgestattet wird, ist man 7.000 Kilometer entfernt schon deutlich weiter: In China ist 5G Standard. Und am nächsten großen Schritt wird mit Hochdruck geforscht: In zehn Jahren hofft das Digitalministerium Chinas 6G einzuführen. Flächendeckend - vom Reisfeld bis Peking.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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