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Berufliche Bildung
Lisa Brüßler
Auf dem Prüfstand

Anhörung zu geplanten Vorhaben

Laut konservativer Schätzungen des Fachkräftemonitorings des Bundesarbeitsministeriums sollen bis ins Jahr 2035 3,3 Millionen Arbeitsplätze wegfallen und vier Millionen neue Stellen entstehen. Wie diesen durch die Digitalisierung in der Arbeitswelt angetriebenen Umbrüchen begegnet werden kann, damit beschäftigte sich die Enquete-Kommission "Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt" vergangenen Woche in einem öffentlichen Fachgespräch mit Parlamentarischen Staatssekretären aus drei Ministerien.

Thomas Rachel (CDU) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung berichtete, dass das Jahr 2018 mit 24 modernisierten Berufsbildern und einem neuen Ausbildungsberuf, dem Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce, gestartet sei. Man arbeite außerdem daran, das Berufsbildungsgesetz zu modernisieren, dies betreffe insbesondere eine Mindestvergütung für Auszubildende und eine verbesserte Durchlässigkeit im System.

"Im internationalen Kontext beneidet man uns um das duale Ausbildungssystem. Es ist ein Garant für wirtschaftlichen Erfolg und eine niedrige Jugendarbeitslosigkeit", sagte Christian Hirte (CDU) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi). Das BMWi sei Verordnungsgeber für 301 der 325 Ausbildungsberufe. Man setze momentan vordringlich daran an, dass eine Modernisierung der Ausbildungsverordnungen und Berufsbilder in schnelleren Zyklen erfolge, berichtete Hirte. Neben der Vermittlung von Grundlagen im Bereich Digitalisierung müsse genau geprüft werden, "welche berufsbezogenen neuen Inhalte bindend einbezogen werden", sagte Hirte. Durch gemeinsame Aktivitäten könne erstmals seit langem ein leichter Anstieg bei den Ausbildungszahlen beobachtet werden. Gleichwohl seien knapp 58.000 Lehrstellen unbesetzt.

Mit der Fachkräftestrategie und der Nationalen Weiterbildungsstrategie gebe es zwei geplante Vorhaben im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, sagte Anette Kramme (SPD). "Mit dem Qualifizierungschancengesetz machen wir zudem einen Quantensprung in der Weiterbildung", berichtete sie. Mittel für Weiterbildung stündigen in der Bundesagentur für Arbeit nun nicht mehr nur für Arbeitslose, sondern für auch für Arbeitnehmer bereit. In Bezug auf junge Menschen arbeite man daran, dass die Leistungen in der Berufsausbildungsbeihilfe verbessert und der Antragsprozess vereinfacht werde. Mit den Jugendberufsagenturen habe man zudem ein Mittel an der Hand, das ein Netz spanne, "damit niemand an den Schnittstellen von Schule, Jugendhilfe und Arbeitsverwaltung durch ein Loch fällt", sagte Kramme.

Auftrag Die Enquete-Kommission wurde im Juni 2018 eingesetzt und soll bis Mitte 2021 eine Strategie für die Weiterentwicklung der beruflichen Aus- und Weiterbildung formulieren. Diese soll aufzeigen, wie die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung in Zeiten des digitalen Wandels von Berufsbildern gestärkt werden kann.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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