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Aschot Manutscharjan

Kaum eine Pressekonferenz in Washington und Moskau vergeht derzeit ohne Fragen zur angeblichen Beeinflussung der US-Präsidentschaftswahl durch die russischen Geheimdienste. Dabei sollen Hackerangriffe, geheime Vereinbarungen und Bestechungen eine Rolle gespielt haben. Der Kreml und das Weiße Haus bezeichnen die Vorwürfe als "Verschwörung gegen den rechtmäßig gewählten" Präsidenten Donald Trump. Gleichzeitig suchen die Gesetzeshüter in den USA nach Antworten auf die seit der Watergate-Affäre legendäre Frage: "Was wusste der Präsident und seit wann?" Dieser und anderen Fragen geht der "Guardian"-Journalist Luke Harding in seinem Enthüllungsbuch "Verrat" nach.

Schnell erreichte "Russia Gate" die "Flughöhe" der Watergate-Affäre und wurde zu einer schweren Belastung für das Weiße Haus. Nach nur 24 Tagen Amtszeit musste Trumps Sicherheitsberater Michael Flynn seinen Hut nehmen. Auf ihn folgte der einflussreiche Wahlkampfmanager Paul Manafort. Beiden Trump-Vertrauten werden irreguläre Kontakte zu ausländischen Mächten vorgeworfen - insbesondere zu Russland und der Ukraine. Manafort soll sogar der Kopf der mutmaßlich "umfassenden Verschwörung" zwischen Trumps Wahlkampfteam und Moskau gewesen sein. In seinen ersten Reaktionen sprach der US-Präsident zwar von "Fake-News" und Erfindungen der "Gossenzeitung" ("New York Times"). Doch ungeachtet seiner Medienschelte befindet sich Trump in der Defensive.

Ausgelöst wurde "Russia Gate" durch den ehemaligen britischen Geheimdienstler Christopher Steele: Dessen Unternehmen hatte den brisanten Auftrag bekommen, die Beziehungen des Kremls zu Donald Trump aufzudecken. Dazu fertigte er zwischen Juni und Dezember 2016 ein 35 Seiten langes Dossier an. Harding ließ sich davon zu seinem empfehlenswerten Buch inspirieren. Trotz einiger Fehler und nicht bestätigten Gerüchten enthält es eine Fülle wichtiger Informationen und Indizien über die Kontakte zwischen Trumps Leuten und den russischen Behörden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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