Inhalt

Aufgekehrt
Alexander Weinlein
Kick it like Boateng

Das Parlament soll ein Spiegelbild der Gesellschaft sein. Zumindest bei einem Thema wird der Bundestag diesem Anspruch in jedem Fall gerecht - beim Fußball. Ganz gleich, ob und zu welchem Verein sich unsere Parlamentarier bekennen, viele von ihnen eint die Leidenschaft für den liebsten Sport der Deutschen - über Fraktionsgrenzen hinweg. So kicken Abgeordnete trotz aller politischen Differenzen seit 1967 gemäß der Devise "Elf Freunde sollt ihr sein" vereint im FC Bundestag.

Doch die gemeinsame Liebe zum runden Leder kennt auch Grenzen. So lehnte der FC Bundestag die Aufnahme des AfD-Abgeordneten Sebastian Münzenmaier ab. Im vergangenen Jahr hatte ihn das Amtsgericht Main zu einer sechsmonatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt: Wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung bei einem Angriff von Hooligans, die sich selbst als Fans des 1. FC Kaiserslautern ansehen, auf Anhänger von Mainz 05 im Jahr 2012. Münzenmaier selbst bestreitet die Tat und hat Berufung gegen das Urteil eingelegt. Obwohl drei weitere AfD-Abgeordnete vom FC Bundestag aufgenommen wurden, will die AfD wegen der Ablehnung Münzenmaiers aber lieber eine eigene Mannschaft gründen.

Der FC Bundestag ist mit seiner Entscheidung in prominenter Gesellschaft. "Es kann niemand bei uns Mitglied sein, der die AfD wählt", hat der Vereinspräsident von Eintracht Frankfurt, Peter Fischer, gerade erst betont und darauf hingewiesen, dass sich Fußball nicht mit Fremdenfeindlichkeit und Rassismus vertrage. Oder anders ausgedrückt: Jérôme Boateng ist nicht nur ein guter Fußballer, sondern auch ein gern gesehener Nachbar.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag