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Vor 65 Jahren...
Benjamin Stahl
Deutschland, deine Schulden

27.2.1953: Londoner Abkommen Bevor sich das Wirtschaftswunder ereignen konnte, musste diesem Wunder der Weg bereitet werden. Die Wirtschaft musste angekurbelt, der Wiederaufbau gemeistert werden. Doch Schulden in Höhe von rund 30 Milliarden D-Mark im Ausland ließen wenig Spielraum. Ab 1952 versuchte in London eine deutsche Delegation unter Leitung von Hermann Josef Abs - später Vorstandschef der Deutschen Bank - eine Lösung zu finden. Nach zähen Verhandlungen unterzeichneten am 27. Februar 1953 die Bundesrepublik, die Westalliierten und weitere Länder das Londoner Abkommen, in dem die deutschen Auslandsschulden bei über 65 Gläubigerstaaten geregelt wurden. Ergebnis: ein großer Schuldenerlass.

Dabei ging es nicht nur um sogenannte Nachkriegschulden, die aus wirtschaftlichen Hilfsleistungen stammten, sondern auch um Vorkriegsschulden des Deutschen Reichs. Mit dem Abkommen wurden die Vorkriegsschulden von 13,5 auf 7,3 Milliarden D-Mark reduziert. Die Nachkriegsschulden von 16 Milliarden wurden von den Gläubigerregierungen auf sieben Milliarden D-Mark herabgesetzt. Durch den Schuldenerlass erlangte Deutschland Kreditwürdigkeit, Zugang zu den internationalen Finanzmärkten und Vertrauen zurück. Wie wichtig Letzteres war, erklärte Kanzler Konrad Adenauer (CDU) im Bundestag: Es komme darauf an, "das Vertrauen des Auslandes in die deutsche Vertragstreue zu festigen", sagte er. Förderungen der Wirtschaft könne man nur erwarten, wenn alles getan werde, "um die alten Schulden im Rahmen unserer Leistungsmöglichkeit zu begleichen".Benjamin Stahl

Aus Politik und Zeitgeschichte

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