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EDITORIAL
Jörg Biallas
Es bleibt viel zu tun

Die Vorgabe im Pariser Klimaschutz-Vertrag ist ebenso eindeutig wie ehrgeizig: Bis zum Jahr 2030 müssen im Vergleich zu 1990 gut 40 Prozent der Emissionen eingespart werden. Eine Dekade vor dem Zieleinlauf ist Deutschland weit davon entfernt. Gelingt es in den nächsten Jahren nicht, den Schadstoff-Ausstoß im Straßenverkehr grundlegend und nachhaltig zu reduzieren, wird das Vorhaben scheitern.

Immerhin sieht es inzwischen so aus, dass die deutsche Autoindustrie bereit ist, deutlich mehr Verantwortung als bisher zu übernehmen. Stolze 40 Milliarden Euro wollen die Autobauer bis Jahresende investieren, um Elektrofahrzeuge zu entwickeln. Die Zeiten, in denen veralteten Techniken aus reinem Profitstreben das Wort geredet worden ist, sollen also vorüber sein.

Jedenfalls zeichnen sich Lösungen für die größten technischen Probleme von E-Autos ab. Etwa bei der Reichweite. So verspricht Porsche für das neue Modell Taycan, das ab Herbst in Serie produziert werden soll, eine sorgenfreie Fahrt über eine Strecke von 500 Kilometern ohne Nachladen des Akkus. Und automobiltechnische Aufmerksamkeit dürfte dem Flitzer ohnehin garantiert sein: Mit einer Beschleunigung in nur 3,5 Sekunden auf 100 Kilometer in der Stunde muss hier keine Konkurrenz beim Spurt befürchtet werden.

Es sind freilich solche Attribute, die den Fokus auf die neue Technik in die falsche Richtung verschieben. Schon Tesla hat bewiesen, dass schnittige Sportlichkeit und elektrischer Antrieb sich keineswegs ausschließen. Dem Klimaschutz würden allerdings alltagstaugliche, familienfreundliche und vor allem bezahlbare E-Gefährte wesentlich mehr dienen.

Ohnehin verliert das Auto zumindest in der westlichen Welt zusehends sein Image als Statussymbol. Auch auf diesen Trend bei der nachwachsenden Generation wird sich die Autobranche einstellen müssen.

Darüber hinaus ist der Individualverkehr der kleinere Teil des Problems. Gerade gewerblich genutzte Lastkraftwagen belasten Umwelt und Klima in einem nicht länger hinnehmbaren Ausmaß.

Und schließlich: Elektrisch betriebene Autos werden die Ökobilanz erst verbessern, wenn der Strom im Land deutlich klimaneutraler als bisher produziert wird.

Auch wenn ein Anfang gemacht ist: Es bleibt viel zu tun.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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