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KOLONIALES ERBE
Claudia Heine
Im Dialog auf Augenhöhe

Sachverständige plädieren für Kooperation und Provenienzforschung

Die Rückgabe von kolonialen Kulturgütern aus deutschen Museen an die Herkunftsgesellschaften kann nur in einem gemeinsamen Prozess mit allen Beteiligten gelingen. In diesem Sinn soll die Provenienzforschung der Museen gestärkt und mit den notwendigen Mitteln ausgestattet werden. Das betonten zahlreiche Sachverständige in einer öffentlichen Anhörung des Kulturausschusses in der vergangenen Woche.

Grundlage der Anhörung waren zwei Anträge von FDP und Grünen (19/8545, 19/7735) zur Aufarbeitung des kolonialen Erbes. Die FDP-Fraktion fordert, die bundeseigenen Museen zu verpflichten, mit den Anspruchsberechtigten zu einer Lösung über unrechtmäßig erworbene Kulturgüter aus kolonialen Kontexten zu kommen. Eine "Ethikkommission" soll in Streitfällen auch einseitig angerufen werden können und die Mittel für das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste (DZK) für die Provenienzforschung sollen langfristig erhöht werden. Nach dem Willen der Grünen soll die Bundesregierung gemeinsam mit dem Senat von Berlin und unter maßgeblicher Beteiligung der Nachfahren der Opfer der deutschen und europäischen Kolonialverbrechen ein Konzept für eine zentrale Erinnerungsstätte der Hauptstadt erstellen.

Wiebke Ahrndt, Direktorin des Übersee-Museums in Bremen, betonte, es sollte nicht darum gehen, alternativlos Rückgaben anzubieten. Nicht alle Herkunftsgesellschaften wünschten sich dies, sondern seien eher an Kooperationen oder Entschädigungen interessiert. In einem "Dialog auf Augenhöhe" müssten zunächst einmal die Bedürfnisse geklärt werden. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, und Johannes Vogel, Generaldirektor des Naturkundemuseums in Berlin, argumentierten in ähnlicher Weise für einen kooperativen Ansatz. "Die Museen wissen, dass sie sich bewegen müssen", sagte Parzinger. Klar sei, dass illegaler Erwerb zurückgeben werden müsse. Dies müsse aber differenziert und unter Berücksichtigung des Gesamtkontextes des Erwerbs der Gegenstände geschehen. Wie Parzinger, so verwies auch Vogel auf die zahlreichen globalen Kooperationen ihrer Häuser auf diesem Gebiet: "Wir arbeiten daran, dass es dabei nicht zu einer Fortdauer der asymmetrischen Machtstrukturen der Kolonialzeit kommt."

Anerkennng des Unrechts Auf diesen Aspekt hatte zuvor Louis Henri Seukwa, Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, verwiesen: Die aktuelle Debatte finde immer noch unter den Bedingungen eines strukturellen Ungleichgewichts zwischen den ehemaligen Kolonialmächten und den Herkunftsstaaten statt. Letztere seien immer noch abhängig von den Entscheidungen der anderen, kritisierte Seukwa. In diesem Zusammenhang forderte Manuela Bauche von der Freien Universität Berlin, Deutschland müsse den Kolonialismus endlich als Unrecht anerkennen und dies in seine Staatsräson integrieren, so wie dies in Bezug auf die NS-Vergangenheit geschehen sei.

Deutliche Kritik kam von Bénédicte Savoy, Professorin für Kunstgeschichte an der Technischen Universität Berlin. Savoy verwies darauf, dass es bereits vor 40 Jahren eine solche Debatte gegeben habe, die aber durch die Abwehrhaltung der Museen erstickt worden sei. Sie forderte, die Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit nicht den Museen allein zu überlassen, sondern eine unabhängige Kommission damit zu beauftragen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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