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Gastkommentare - Pro
Uta Winkelmann, Deutschlandfunk
Drei Kräfte

Ist das Bündnis noch glaubwürdig?

J a, das ist es. Soll heißen: Das Bündnis ist so glaubwürdig wie immer seit Ende des Kalten Krieges. Seither weiß die Nato nur in Teilen, was sie mit sich anfangen will. Die "Nato, quo vadis?"-Konferenzen finden seit 25 Jahren statt. Drei Kräfte scheinen für den Zusammenhalt maßgeblich zu sein: Erstens das wohl größte Sicherheitsversprechen der Welt, zweitens eine als grotesk beschriebene Bürokratie, drittens die Möglichkeit für die USA, Stärke und Größe zu beweisen.

Afghanistan, der einzige Beistandsfall der Nato, illustriert das ganz gut: Selbstverständlich war dies immer und zuerst ein Einsatz der USA, das haben sie jedenfalls vor Ort auch nie verhohlen. Alle anderen waren eher kleine Rädchen - und darüber auch ganz froh.

Und unabhängig davon, was der US-Präsident so behauptet, wenn der Tag lang ist, weist derzeit wenig darauf hin, dass die USA auf die transatlantischen Verbindungen verzichten wollen. In und um Ramstein investieren die Amerikaner derzeit Milliarden Dollar - unter anderem in ein gigantisches Militärkrankenhaus.

Der Aufbau der neuen Nato-Einheiten in Osteuropa verläuft erkennbar zu allseitiger Zufriedenheit. Was die Hinwendung der USA Richtung Asien, über den Pazifik statt über den Atlantik angeht - die wird nun sehr regelmäßig beschworen.

Und dann der fast neurotische Streit über die zwei Prozent BIP für die Verteidigung: Wenn Kabinettsmitglieder ihre Termine verpassen, weil die Bundeswehr bei einem 43-Milliarden-Haushalt keine Flugzeuge reparieren kann, ist vielleicht Geld doch nicht das größte Problem. Natürlich sollten die Europäer ihre Rüstungsausgaben effizienter einsetzen. Doch das wissen sie ja nun auch schon lange.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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