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Aschot Manutscharjan
Kurz REZENSIERT

Bartholomäus Grills Gastgeber äußert sich eindeutig: Nicht nur die Kolonialgeschichte müsse umgeschrieben werden, sondern auch die Historie seit der Unabhängigkeit Namibias, dem früheren Deutsch-Südwestafrika. Und damit der Journalist auch wirklich versteht, "wie die Schwarzen unser schönes Land kaputtregieren", ergänzt seine Frau: "Diese Affen vermehren sich wie wild. Sie müssen alle kastriert werden." Bartholomäus Grill, der über 30 Jahre für "Die Zeit" und "Der Spiegel" aus Afrika berichtet, will mit diesen drastischen Zitaten belegen, dass die rassistische Gesinnung deutschen Kolonialisten von Generation zu Generation weitervererbt wurde.

Grill widerlegt die verbreitete Meinung, bei der relativ kurzen deutschen Kolonialgeschichte (1880 bis 1918) habe es sich nur um ein harmloses Zwischenspiel im Zeitalter des Imperialismus gehandelt. Die deutschen "Herrenmenschen" waren zu ihren "Neger-Untermenschen" nicht netter als Franzosen, Belgier, Portugiesen oder Briten. Auch wenn der Autor einige wenige, noch lebende Zeitzeugen in den ehemaligen Kolonien interviewen konnte, die sich an "gute Deutsche" erinnern.

Unser "rassistisches Erbe" führt Grill auf eine fehlende historische Aufklärung zurück: Nach dem Versailler Vertrag habe die Weimarer Republik andere politische und wirtschaftlichen Sorgen gehabt. Und nach 1945 hätten der Terror der NS-Diktatur die Erinnerung an die weiter zurückliegenden Kolonialverbrechen überlagert. Erst im Juli 2015 habe der Bundestag den 1904 verübten Genozid an den Herero in Namibia offiziell anerkannt.

Die Rückständigkeit Afrikas führt der Journalist auf die jahrhundertelange Ausbeutung durch Europäer, Amerikaner und heute die Chinesen zurück. In seinem wunderbaren Reportagebuch über die Geschichte der deutschen Kolonien thematisiert Grill auch die aktuelle Diskussion über die Rückgabe afrikanischer Kulturgüter. Er stellt fest, die afrikanischen Kunstgegenstände seien zumeist "widerrechtlich entwendet" worden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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