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Aschot Manutscharjan
Kurz REZENSIERT

Als "Typ" aus dem Mittleren Westen stellt sich der Autor den Lesern seiner Memoiren vor. Zu Beginn seiner Karriere arbeitete Seymour M. Hersh als Bürobote in einer kleinen Nachrichtenagentur in Chicago, die über Verbrechen, Brände und lokale Gerichtsverfahren berichtete. Elf Jahre später war er als freiberuflicher Reporter für eine kriegskritische Nachrichtenagentur in Washington tätig, die Präsident Nixon "das Leben schwer machte". In dieser Zeit deckte der Enthüllungsjournalist Massaker der US-Armee in Vietnam auf: Am 16. März 1968 waren auf Befehl von Leutnant William Calley im Dorf My Lai über 350 Zivilisten erschossen worden, darunter mehr als 100 Kinder. Nixon sollte Calley später begnadigen.

Der Sohn jüdischer Einwanderer aus Osteuropa beachtete wie kaum ein anderer den Ehrenkodex des Journalismus - Freundschaften mit Politikern ging er nicht ein. "Ich habe den Großteil meiner Laufbahn damit verbracht, die offiziellen Narrative infrage zu stellen." Diese Integrität dankten ihm zahlreiche Informanten aus Politik, Armee und den Geheimdiensten mit vertraulichen Hinweisen.

Kokett behauptet der Pulizer-Preisträger, es habe ihm nicht besonders gefallen, immer derjenige zu sein, der über Dinge schrieb, die den offiziellen Versionen widersprachen. Am Ende habe er sich aber "daran gewöhnt". Besonders umstritten war sein Bericht über die Tötung Osama bin Ladens, den die pakistanische Armee seit 2006 unter Hausarrest gestellt hatte. Das "Seals-Spektakel" im Mai 2011 wurde laut Hersh nur organisiert, um Barack Obamas Wiederwahl als Präsident sicherzustellen. Ebenso widersprach Hers der offiziellen amerikanischen Darstellung über den Einsatz von Giftgas in Syrien.

In seinem exzellenten Erinnerungsbuch beschreibt Hersh die Entstehung seiner Reportagen über My Lai, Watergate, Kissinger, Jack Kennedy, die Tötung bin Ladens und die "verbitterten" Reaktionen darauf. "Ich überlasse es der Geschichte, meine letzten Anstrengungen zu bewerten".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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