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Gastkommentare - Contra
Jan Dams, "Die Welt", Berlin
Ein Stück entfernt

Sind wir jetzt ein einwanderungsland?

G ratulation! Deutschland gibt sich ein Einwanderungsgesetz. Längst überfällig ist das. Der seit Jahren gut laufenden Konjunktur geschuldet, fehlen vielen Branchen mittlerweile Fachkräfte. Wenn in den nächsten Jahren auch noch die ungünstige demografische Entwicklung das Angebot an Arbeitskräften reduziert, wird das für die Wirtschaft und damit für den Wohlstand hier ein großes Problem.

Allerdings macht ein Fachkräfteeinwanderungsgesetz allein die Bundesrepublik nicht zum Einwanderungsland. Zwar schafft es die juristische Grundlage dafür, dass Menschen aus aller Welt hier Arbeit suchen können - was wichtig ist. Zu einem echten Einwanderungsland aber wird das Land erst, wenn der Großteil seiner Bürger nicht mehr befremdet ist, wenn Menschen anderer Herkunft, mit anderen Namen und anderer Hautfarbe neben ihnen arbeiten und wohnen. Wenn die Kinder der Zugewanderten nicht mehr täglich beweisen müssen, dass sie genauso gute Deutsche sind wie die, die seit Generationen hier leben. Und natürlich gehört auch dazu, dass die, die ins Land kommen, sich an die hier geltenden Regeln halten und Teil der Gesellschaft werden.

Von all dem aber ist Deutschland noch ein ganzes Stück entfernt. Wer will, dass die Republik zu einem Einwanderungsland wird, in dem die Neuen eine Heimat finden und sich Deutsche und Zuwanderer miteinander wohl fühlen, muss zuerst mit denen eine Debatte führen, die schon hier leben. Diese Diskussion muss über die Reden im Bundestag hinaus ins Land getragen werden. Die Flüchtlingskrise hat zu viel Unfrieden in Deutschland geschaffen, als dass sich das Thema nur mit einem Fachkräfteeinwanderungsgesetz abhandeln ließe.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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