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ERINNERUNGSJAHR

Gemeinsames Gedenken

Treffen der deutsch-polnischen Parlamentariergruppen von Sejm und Bundestag

Das Jahr 2019 ist für die deutsch-polnischen Beziehungen eine zentrales Gedenkjahr: Vor 80 Jahren begann am 1. September 1939 mit dem deutschen Angriff auf Polen der Zweite Weltkrieg. Am 1. August 1944, vor 75 Jahren, erhob sich die Polnische Heimatarmee im Warschauer Aufstand gegen die deutschen Besatzer. Vor 30 Jahren schließlich, im Jahre 1989, fiel der Eiserne Vorhang, und an diesem Fall hatte die polnische Solidarnosc-Bewegung erheblichen Anteil.

Die Vorsitzenden der bilateralen Parlamentariergruppen von Sejm und Bundestag, Bartlomiej Wróblewski (PiS) und Manuel Sarrazin (Grüne), waren sich bei einem Treffen in der vergangenen Woche in Berlin einig, dass Deutsche und Polen diese Jahrestage gemeinsam begehen sollten: Wróblewski wies darauf hin, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und sein polnischer Amtskollege Andrzej Duda sich am 1. September in Wielun und später in Warschau treffen würden. Die damals grenznahe polnische Kleinstadt Wielun war 1939 als eine der ersten von deutschen Luftangriffen weitgehend zerstört worden. Polens Außenminister Jacek Krzysztof Czaputowicz habe zudem seinen deutschen Amtskollegen Heiko Maas für den 1. August, den Jahrestag des Warschauer Aufstands, in die polnische Hauptstadt eingeladen.

Wróblewski erinnerte daran, dass in Polen 1989 erstmals wieder nach 50 Jahren in der Welt hinter dem Eisernen Vorhang frei gewählt werden konnte. Er dankte für eine fraktionsübergreifende Initiative deutscher Politiker, ein Denkmal für die polnischen Opfer des NS-Regimes in Berlin zu errichten und nannte in diesem Zusammenhang die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) sowie die Abgeordneten Dietmar Nietan (SPD), Thomas Nord (Die Linke) und Manuel Sarrazin. "Wir schätzen diese Geste", sagte der Abgeordnete aus Posen.

Sarrazin unterstrich, dass es im Gedenkjahr auch darum gehe, die deutsche Wiedervereinigung als Teil der europäischen Ereignisse 1989 zu verstehen und den Beitrag der damaligen polnischen Oppositionsbewegung, aber auch der anderen späteren Visegrad-Staaten Tschechien, Slowakei und Ungarn, stärker in den Mittelpunkt des Erinnerns zu stellen. Dass die Polen 1989 Monate vor dem Mauerfall mit der Regierung Tadeusz Mazowiecki eine progressive Reformregierung ins Amt gewählt haben, sei im deutschen Erinnern an den Epochenwechsel häufig nicht präsent.

Bei dem Treffen der Parlamentariergruppen ging es zudem um die weitere Entwicklung gemeinsam genutzter Infrastrukturen: Der polnische Abgeordnete Norbert Obrycki von der oppositionellen Bürgerplattform (PO) sagte mit Blick auf Eisenbahn- und Autobahnverbindungen zwischen Deutschland und Polen, dass selbst kleinere, nicht zu teure Projekte häufig starke politische Impulse benötigen würden. Mit Blick auf die Bahnverbindung zwischen Berlin und Stettin (Szczecin) scheine nun der politische Wille auf der Bundesebene da zu sein: Bis 2026 solle die Strecke elektrifiziert und modernisiert sein.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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