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Aschot Manutscharjan
Kurz Rezensiert

In den USA gibt es heutzutage sehr viel Angst - und diese Angst ist häufig mit Zorn, Schuldzuweisungen und Neid vermischt. Angst blockiere jedoch rationale Überlegungen, sie vergifte die Hoffnung und behindere eine konstruktive Zusammenarbeit für eine bessere Zukunft. So beginnt die Philosophin und Rechtswissenschaftlerin Marta Nussbaum ihre lesenswerte Analyse der aktuellen geistigen Verfasstheit der Vereinigten Staaten. Sie gehört zu den zahlreichen Gelehrten, die von Donald Trumps Wahl zum Präsidenten so erschüttert war, dass sie beschloss, die Gründe dieses Wahlsieges zu erforschen.

Die preisgekrönte Buchautorin, die an der University of Chicago Ethik unterrichtet, hält Angst für das entscheidende Motiv der amerikanischen Wähler. Nussbaum beschreibt Angst als ein Gefühl, "das die Demokratie mehr als jedes andere bedroht". Auch wenn Angst eine "primitive Emotion" sei, so spiele sie dennoch bereits in der frühen Entwicklung des Individuums eine wichtige Rolle. Und sie behalte ihre mächtige archaische Struktur bis in das Erwachsenenleben bei.

Im Unterschied zum deutschen Soziologen Heinz Bude, der die moderne "Gesellschaft der Angst" bereits vor Jahren brilliant analysierte, nähert sich Nussbaum dem Thema mit Hilfe der antiken Philosophen Aristoteles und Platon. Es geht um Zorn, Neid, Ekel und den daraus entstehenden Gefühlen der Macht- und Hilfslosigkeit, schließlich der Feindseligkeit. Politische Rhetorik sei hervorragend geeignet, diesen Prozess zu verstärken. Angst "neigt dazu, Verhältnisse, in denen es um Vertrauen und Gegenseitigkeit geht, zu destabilisieren". Dies sei Trump in seinem Wahlkampf sehr gut gelungen. Er habe die Macht- und Orientierungslosigkeit vieler Amerikaner angesichts einer globalen Wirtschaft für seine Zwecke instrumentalisiert. Die Autorin prognostiziert, dass Trumps Politik genau deshalb destruktiv bleiben wird: "Ich behaupte, dass Angst zu einem Königsreich passt, in dem ein absoluter Herrscher sie wachhalten muss."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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