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Lisa Brüßler
Blick zu Digital-Pionieren

Lernen von digitalisierten Regionen

Wenn es um die Investitionen in digitale Strategien geht, zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den europäischen Ländern: "Zu den digitalen Pionieren zählen die skandinavischen Staaten, die Benelux-Länder und Estland. Rumänien, Portugal und Griechenland hinken eher hinter", berichtete Konstantinos Pouliakas vom Europäischen Zentrum für die Förderung der Berufsbildung (CEDEFOP). Was digitalisierte Regionen besser machen und warum, damit beschäftigte sich die Enquete-Kommission "Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt" vergangene Woche in einem öffentlichen Fachgespräch.

"70 Prozent der Jobs in der Europäischen Union setzen grundlegende digitale Kompetenzen voraus", sagte Pouliakas. Immer wichtiger werde, wie Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt navigieren und sich selbst organisieren. Neben Investitionen in digitale Kompetenzen wie Datenalphabetismus dürften die kognitiven und menschlichen Fähigkeiten nicht vernachlässigt werden, warnte der Berufsbildungsexperte.

Der Wirtschaftspädagoge Matthias Pilz von der Universität zu Köln warf einen Blick in Systeme außerhalb Europas: "In Japan beträgt die Abiturientenquote 98 Prozent. Somit studieren circa 70 Prozent der Schulabgänger, denn ein berufliches Bildungssystem existiert nicht", sagte Pilz. Stattdessen fänden hauptsächlich "trainings on the job" im Betrieb statt. Vorerfahrungen seien dafür nicht nötig, denn das Ziel der Betriebe sei es, die Leute "zurecht zu schmieden". Dabei sei die Bereitschaft, von außen zu lernen, sehr hoch. In China gebe es hingegen ein starkes staatliches Vollzeitsystem: "Interessant ist die sehr gute bis hervorragende Ausstattung der Berufsschulen in den Städten und dass eine subtile Aufwertung der beruflichen Bildung stattfindet, weil insbesondere in den Küstenregionen Fachkräfte gefragt sind", sagte Pilz. Dort reagiere man mit unternehmenseigenen Klassen und Angeboten, die den Standardlehrplan ergänzen, auf Bedarfe. Mit Blick auf Deutschland plädiere er für den weiteren Ausbau hybrider Formen im Berufsbildungssystem und dafür, Kooperationen und die Durchlässigkeit weiter zu fördern.

Rita Siilivask vom estnischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft gab einen Einblick in das dortige System. "Wir lehren Problemlösungsfertigkeiten und wollen ab der Vorschule ein Bewusstsein schaffen für Informationstechnologien", erklärte sie. Dafür werde kontinuierlich evaluiert und es gebe ein Beobachtungssystem für die Bedarfe auf dem Arbeitsmarkt. "Estland hat eine sehr technikbegeisterte Bevölkerung und eine Regierung, deren strategisches Ziel es über Jahrzehnte war, E-Estonia aufzubauen", sagte Siilivask. 99 Prozent der Bevölkerung sei online. Der aktuelle Stand der Digitalisierung gehe vor allem auf den Austausch zwischen dem öffentlichen und privaten Sektor und einen guten Datenaustausch zurück. So sind Unternehmen dort etwa in den Schulräten an der Ausarbeitung von Berufsstandards beteiligt.lbr

Aus Politik und Zeitgeschichte

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