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GesundheiT III
Susanne Kailitz
Hebammenberuf soll akademisch werden

Der Plan, Hebammen künftig in einem dualen Studium auszubilden, wird von Experten überwiegend begrüßt

Hebammen sollen künftig in einem dualen Studium ausgebildet werden. Das sieht ein Gesetzentwurf der Koalitionsfraktionen (19/10612) vor. Unter einer Vielzahl von Experten sorgt dieses Vorhaben für Zustimmung, das wurde in einer öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Gesundheit in der vergangenen Woche deutlich.

So sagte die Einzelsachverständige Melita Grieshop von der Evangelischen Hochschule Berlin, eine bessere Qualität in der Ausbildung führe zu mehr Qualität in der Versorgung. Besonders begrüßenswert seien die geplante systematische Praxisanleitung sowie eine Vergütung der Auszubildenden. Die Sachverständige regte an, die Gesamtverantwortung für den Studiengang stärker bei den Hochschulen anzusiedeln, diese sollten künftig auch die praktischen Ausbildungsteile koordinieren. Dieser Ansicht ist auch der Wissenschaftsrat. Friederike Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein betonte, dass die Hochschulen für die inhaltliche wie praktische Ausgestaltung des Studiums zuständig sein sollten. Zudem reiche es nicht aus, sich nur auf ein Bachelor-Studium zu konzentrieren, auch Master und Promotion müssten mitgedacht werden.

Als ausgesprochen positiv wurde die geplante Verzahnung von Theorie und Praxis auch vom Deutschen Hebammenverband bewertet. So sagte Yvonne Bovermann, es gebe in Deutschland mehr als 1.000 dieser Studiengänge, dies funktioniere "hervorragend". Die geplante Ausbildung könne zum "Erfolgsmodell" werden. Als Voraussetzung für eine Studiengangleitung müsse die entsprechende Lehrkraft "mindestens" einen Masterabschluss vorweisen können, mittelfristig sollten die Positionen nur an promovierte Hebammen vergeben werden. Für den Deutschen Caritasverband bezeichnete Elisabeth Fix den geplanten hohen Anteil an Praxisanleitung als "besonders positiv". Der Gesetzentwurf sieht vor, von den insgesamt 4.600 Stunden für das Studium mindestens je 2.100 Stunden berufspraktisch und akademisch auszurichten. Fix forderte hier Nachbesserungen und schlug vor, die verbleibenden 400 Stunden dem berufspraktischen Teil zuzumessen.

Den Weg nicht versperren Skeptisch bezüglich einer Akademisierung des Hebammenberufs ist dagegen der GKV Spitzenverband. So warnte deren Vertreter Steffen Waiß, es bestehe die Gefahr, dass akademisch qualifizierte Hebammen sich künftig auf die Geburtshilfe konzentrieren könnten und eine Lücke bei der Wochenbettbetreuung entstehe. Daher schlage sein Verband einen Ausbildungsberuf der Mütterpflegekraft vor. Eine Kostenersparnis für die gesetzlichen Krankenkasse sei nicht zu erwarten - bei einer Finanzierung der Hebammenausbildung im Hochschulstudium würden die Versicherten für versicherungsfremde Leistungen bezahlen müssen.

Auch der Sachverständige Frank Louwen von der Uniklinik Frankfurt am Main betonte, man dürfe den Schülern nicht den Weg an die Schulen versperren. Es spreche nichts dagegen, dass eine Hebamme mit 40.000 Praxisstunden in ein weiterführendes Studium ginge; diese Möglichkeit gebe der Gesetzentwurf aber nicht her.

Für die Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft sagte Nicola Bauer dagegen, die Hebammenschulen seien künftig "überflüssig". Es sei sinnvoll, wenn die Lehrerinnen dieser Schulen an die Hochschulen gingen. Ihr Verband halte zudem ein siebensemestriges Studium für sinnvoll.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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