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Ortstermin: im Freilichtkino an der Spree
Lisa Brüßler
Parlamentsgeschichte unter freiem Himmel

Wenn die Sonne untergegangen ist, verwandeln sich die Stufen im Berliner Parlamentsviertel jeden Abend in einen Open-Air-Kinosaal: Die Treppe am Berliner Friedrich-Ebert-Platz am südlichen Spreeufer bietet Platz für 1.500 Zuschauer, deren Blicke 110 Meter über den Fluss in Richtung des runden "Auges" des Marie-Elisabeth-Lüders Hauses des Bundestages, wandern - und damit in die Vergangenheit. Der Film "Dem Deutschen Volke - Eine parlamentarische Spurensuche. Vom Reichstag zum Bundestag" nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise zu den wichtigsten Momenten deutscher Parlamentsgeschichte.

Beginnend mit der Kaiserzeit Ende des 19. Jahrhunderts verfolgt der Film die parlamentarischen Entwicklungen in der Weimarer Zeit und führt durch die dunkelste Epoche nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Auch Wegmarken wie die Teilung Deutschlands, deren Überwindung und die Vollendung der deutschen Einheit gehören zur Parlamentsgeschichte. Eine Hauptrolle spielt dabei das Reichstagsgebäude. Gezeigt wird, wie das Gebäude erbaut, zerstört, wieder instandgesetzt, verhüllt und umgebaut wurde, um Ende der 1990er Jahre wieder als gesamtdeutscher Parlamentssitz aufzuleben.

Das Publikum, das an diesem Abend auf den Treppen Platz nimmt, ist international: "Der Film hat mir sehr viel über den Freiheitswillen der Menschen gezeigt, vor allem als es um die Maueröffnung ging", sagt die Studentin Anna. Sie kommt aus Belgien und verbringt ein Auslandssemester in Berlin. Kommilitonin Elena aus dem spanischen Lorca ist mitgekommen: "Besonders gut war, dass ich die Untertitel auf Spanisch mitlesen konnte", sagt sie.

Das ist eine Neuerung, denn im Parlamentsviertel sind immer mehr Touristen unterwegs. "Über ein lokales WLAN-Netz können Untertitel für das Smartphone in den Sprachen Spanisch, Italienisch, Französisch, Russisch, Holländisch, Polnisch, Portugiesisch, Chinesisch, Türkisch und Arabisch genutzt werden. Untertitel auf Englisch laufen permanent auf der Hauptprojektionsfläche mit", erklärt Andreas Schröder. Er ist gelernter Ingenieur für Theatertechnik und verantwortet die Installation. Schröder freut sich, dass die ersten Aufführungen gut geklappt haben - und hofft auf einen warmen Sommer.

Bereits zum neunten Mal werden per Licht- und Tondesign die Gebäudefassaden mithilfe von Laserprojektoren in die Inszenierung eingebunden. Fünf Projektionsflächen werden bespielt, die größte Fläche ist 300 Quadratmeter groß: Da fliegen die Rosinenbomber über die Verbindungsbrücke, Flammen züngeln an einem Gebäude hoch und animierte Mauerteile bröckeln herab. Zu sehen ist auch, was sich historisch an Ort und Stelle der Projektion abgespielt hat.Lisa Brüßler

Die 30-minütige Großbildinstallation wird noch bis zum 3. Oktober täglich nach Sonnenuntergang gezeigt. Nach dem ersten Durchlauf wird sie ein zweites Mal wiederholt. Der Besuch ist kostenlos.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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