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Parlamentarisches Profil
Hans Krump
Die Studienrätin: Nicole Höchst

W enn es im Bundestag um Frauenquoten oder Genderpolitik, Ehe für alle oder Frühsexualpädagogik geht, bildet Nicole Höchst gerne den Kontrapunkt zu Abgeordneten, die sich als fortschrittlich sehen. Die 48-jährige Regierungsschuldirektorin aus Rheinland-Pfalz, seit Oktober 2017 für die AfD im Parlament, ist der Meinung, moderne Frauenrechtlerinnen müssten heutzutage konservativ statt links sein.

"Der Feminismus hat Frauen einige Segnungen gebracht wie Frauenwahlrecht, einen Beruf nach eigenen Bedürfnissen zu ergreifen oder zu heiraten beziehungsweise nicht zu heiraten. Er ist heute aber blind dafür, was vielen Frauen mit muslimischem Migrationshintergrund hierzulande widerfährt." Höchst erwähnt Zwangsehen, Gewalt oder Genitalverstümmelung. "Dies wird unter dem Deckmantel der Vielfalt und Buntheit von linken Feministinnen verschwiegen", empört sich Höchst. Wegen des steigenden Anteils von Muslimen in Deutschland und ihrem Verständnis vom Vorrang islamischen Rechts müsse "jetzt die gesamte Gesellschaft auf das Grundgesetz eingeschworen und dieses überall durchgesetzt werden". Sonst könne es zu spät sein.

Bei der Gleichstellungspolitik fällt Nicole Höchst der berühmte Berggeist Yeti ein, von dem jeder spricht, den aber noch keiner gesehen hat. "Eine strukturelle Benachteiligung von Frauen im Berufsleben in Deutschland gibt es nicht, wie von Frauenrechtlerinnen behauptet wird. Quoten bringen immer neue Ungerechtigkeiten mit sich und benachteiligen andere Gruppen, insbesondere Männer. Das ist gegen das Grundgesetz." Höchst spricht bei der Gleichstellung von einem "sexistischen Blickwinkel auf unsere Gesellschaft", weil zuerst geschaut werde: Mann oder Frau. Erst danach gehe es um Fähigkeiten und Qualifikationen, worauf es bei Einstellungen oder Beförderungen aber zuerst ankommen müsse.

Was stets für Zoff sorgt, ist Sexualkunde an Kitas und Schulen. "Ich bin sehr dafür, dass Aufklärung stattfindet", sagt Höchst. "Es muss aber alles kindgerecht sein. Es kann nicht sein, dass im Kindergartenalter Fragen beantwortet werden, die die Kleinen gar nicht gestellt haben." Und wenn infolge schulischer Rahmenpläne "zur sexuellen Vielfalt" auf Bühnen Analsexszenen dargestellt werden, gehe dies zu weit, sagt die Katholikin, die sich gerne mit großem Kreuz auf der Brust zeigt. "Die Scham von Kindern und Jugendlichen darf nicht so zerstört werden, dass sie es für normal halten, so etwas auf Schulbühnen vorzuführen."

Höchst ist Schirmherrin der Homosexuellen in der AfD. Trotzdem hat sie Bauchschmerzen, wenn es um die "Ehe für alle" geht, jenes Gesetz, das SPD, Grüne und Linke mit Unionsteilen gegen die Absprachen der Großen Koalition am Ende der vergangenen Legislaturperiode verabschiedet hatten. "Unter dem Schlagwort ,Ehe für alle´ wird nicht nur die Heirat von Homosexuellen verstanden, sondern es ist auch ein Einfallstor für alle möglichen Verbindungen", sagt die Abgeordnete. Und erwähnt Polygamie, Kinderehen bis zur scherzhaften "Heirat der Nachttischlampe". Bei der Ehe für alle gehe es jetzt auch um die Adoption fremder Kinder. Höchst plädiert dafür, hier das "Recht des Kindes" in den Mittelpunkt zu stellen. "Gerade wegen der Rollenbilder und Identitätsfindung von Kindern ist es wichtig, dass Kinder im Idealfall Mutter und Vater haben." Das sage sie als alleinerziehende Mutter.

Die gebürtige Saarländerin wuchs am Niederrhein auf und studierte Englisch und Französisch für das Lehramt Sekundarstufe II. Nach Studienratsjahren in Mönchengladbach und Speyer arbeitete sie bis zur politischen Karriere in der rheinland-pfälzischen Schulverwaltung. Nach Jahren als CDU-Mitglied zündete bei der Konservativen der politische Funke erst mit der AfD-Gründung. 2015 trat sie ein, 2017 gelang ihr der Einzug in den Bundestag, wo sie im Familien- und Bildungsausschuss sitzt. Nach über einem Jahr Parlament sieht Höchst bei den anderen Fraktionen Hilflosigkeit im Umgang mit der AfD, trotz aller Schwüre, die neue Opposition inhaltlich zu stellen. Das zeigt sich für sie auch, wenn ihre Fraktion im Parlament ausgegrenzt werde, sie dann aber in der Bundestags-Damentoilette von einer CDU-Abgeordneten unter vier Augen für ihre "phantastische Rede" beglückwünscht werde. Daheim in Speyer machen Nicole Höchst Anfeindungen zu schaffen, ob Anschläge Linksextremer auf ihr Wohnhaus oder Mobbing gegen ihre Kinder an der Schule. Mit Karatetraining hält sie sich fit.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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